Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 3-4 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Gottes den Heiden verkündet werden", da ja, wie wir im Obigen aus dem mündlichen Gesetz vernommen haben, den Heiden bei Todesstrafe verboten ist, sich mit dem Gesetze Gottes zu beschäftigen? Aber das fragen wir, ob die Orthodoxen aus dem Talmud und dem Schulchan aruch diese Missionsidee Nachweisen können? Die Völker der Welt, wie das mündliche Gesetz lehrt, zur Annahme der noachitischen Gebote zu zwingen und diese neumodische Missionsidee der Culturjuden stnd zwei sehr verschiedene Dinge. — Aus dem Gesagten ergiebt sich, daß die sogenannte Orthodoxie gar nicht so orthodox ist und gar nicht so fest am Talmud und Selmlchan aruch hält, sondern vielfache Elemente der Reform in und unter sich hat, daher auch Dr. Ph. mit Recht sagt, „daß sämmtliche Juden des westlichen und mittleren Europas völlig reformirte Juden sind." Aber dies Schwanken und Suchen eines Bessern in der Orthodoxie ist uns ein Grund der Hoffnung, daß nach der langen Nacht ein Tag anbrechen wird. Wir werden in unserer Ansicht bestärkt, wenn wir neben der angeführten Lockerung des Rabbinismus noch ein Bekennen und gewisses Festhalten der positiven göttlichen Lehren sehen, die des rechten Israels Eigenthum, Glaube und Hoffnung gewesen sind. Bei dem großen Leichtsinn, Unglauben und Jndifferentismus der heutigen Juden ist es wahrhaft wohlthuend, wenn man ein Wort liest, wie das in Nr. 4 „des Israeliten": „Der Jude empfindet mit innerster Seele das große Wehe, das über Israel mit der Zerstörung des heiligen Tempels zu Jerusalem hereingebrochen ist; deßhalb kann der Galuthjammer" — d. h. der Jammer über die Vertreibung—^ „durch die zweitausendjährige Dauer seines Bestandes in ihm nicht abgeschwächt werden; sieht er sich ja all der Heilmittel beraubt, um sein Leben in Uebereinstimmung mit denjenigen Forderungen der Religion zu bringen, die einen so bedeutenden Einfluß auf die Heiligung desselben auszuüben im Stande stnd, weiß er ja, daß Israels Beruf ein Eigenthum Gottes zu werden, nimmer und nimmer ohne Tempel und Priester sich verwirklichen kann." Ferner: Es „ist mit ein sehr wesentlicher Punkt des Glaubens, daß wir unsere nationale Wiedergeburt aus der Hand des Messias mit Sicherheit erwarten, und daß so lange diese uns fehlt, wir mit gerechtem