Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 1-2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Hollweg, im vorigen Jahre im Hause der Abgeordneten that, daß nämlich „das Judenthum verfolgungssüchtig" sei, hat damals einen allgemeinen und gewaltigen Schrei des Entsetzens und der Entrüstung von Seiten der Juden hervorgerufen. In den Jüdischen Blättern nicht nur, sondern auch in den allgemeinen politischen Zeitschriften erhoben die Juden starke Proteste gegen eine solche Beschuldigung, vr. PH. ließ gleich in Nr. 12 seiner Judenzeitung als „unaufschiebbaren" Leitartikel ein Schreiben „An Se. Erc. den Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten, Herrn v. Bethmann- Hollweg" ergehen, das er selbst auch, wie er in derselben Nummer sagt, „in mehreren preußischen Zeitungen veröffentlichte." In demselben bekennt er, er habe zwar nicht das Recht, Beweise für die Richtigkeit dieser Behauptung zu fordern; „wohl aber", sagt er, „habe ich das Recht, Ihre im Angesichte der ganzen Welt gethane Behauptung für eine durchaus irrige zu erkl -en." Er „überblickt" dann „die Geschichte der christlichen Welt" von Constantin dem Großen an, „wo das Christenthum die weltliche Macht erlangte", bis in unsere Zeit herein und findet, daß „wir auch nicht ein einziges Jahrhundert ausnehmen können, in welchem nicht im Namen des Christenthums die Verfolgungssucht... geübt ward." Dann folgt die triumphirende und herausfordernde Frage: „Was kann aber in dieser Beziehung dem Judenthum vorgeworsen werden? Aus diesem ganzen langen Zeiträume von mehr als fünfzehn Jahrhunderten auch nicht ein einziges Factum; ja, in den vier Jahrtausenden des Judenthums steht die bedauernswerthe Verurtheilung des Stifters der christlichen Religion, welche in einer von Parteiungen durchwühlten Zeit geschah, als die einzige Thatsache da, aus welcher den Juden ein solcher Vorwurf gemacht werden kann" u. s. w. In derselben Nummer S. 134 wird in derselben Angelegenheit ein Schreiben „der Lehrerkollegien der jüdischen Schulen" in Berlin an den „Gemeinde- Vorstand" mitgetheilt. In diesem Schreiben klagen die Verfaffer auch, daß der Herr Unterrichtsminister das Judenthum „dem Heidenthume und dem Atheismus gleichgestellt" und „den Makel der Unduldsamkeit und Verfolgungssucht" aus die jüdische „Religion geschleudert" habe. Die Schreiber setzen hinzu: „Inwiefern der