Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 19 (1863)
- Issue
- 1-2 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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auflegen, sein Gebet, seine Talismane, durch die Geräthe, die er gebraucht, ja durch seine bloße Athmosphäre Armuth in Reichthum zu verwandeln, Krankheit in Gesundheit, Unfruchtbarkeit in Fruchtbarkeit, Haß in Liebe u. s. w.; aus seinen Willen kommt cs an, alle Nebel des Geschickes zu verbessern, alle Gefahren zu beseitigen — mit einem Worte, der chassidische Rebbe ist der größte Wunderthäter und findet bei seinen Anhängern und durch sie bei Tausenden Unwissender den blindesten Glauben. Die Chassidim verbringen daher ihr Leben mit Müßiggang, Beten, Baden und Trinken; Gelage an allen Festtagen, Gelage an allen Sabbathen, Gelage an allen Werkeltagen. Dafür müssen ihre Weiber Handel treiben, oder irgend ein Geschäft, und werden noch dafür als untergeordnete Wesen behandelt. Der Rebbe oder Zadik läßt sich aber seine Fürsprache und Wunderthaten gar sehr bezahlen; ohne reichliche Geschenke läßt er Niemanden vor sich, und nach der Höhe der dargebrachten Gaben steigern sich die Verheißungen. Dieser Wunderglaube ist aber, namentlich unter den Weibern, so ansteckend, daß auch Nicht-Chassidäer zum Wunderthäter ihre Zuflucht nehmen und für ihre Leichtgläubigkeit reichliche Steuern zahlen. Der Chassidismus hat so im Geiste und im Thun mit dem Rabbinismus gebrochen; er verschmähet den Talmud und die talmudische Gelehrsamkeit, an deren Stelle er den Sohar gesetzt; er spottet des rabbinisch Frommen als eines blinden Buchstabengläubigen; er übt die meisten Gebräuche, namentlich die gottesdienstlichen nicht und hat andere an deren Stelle gebracht, so z. B. hält er an den Jahrestagen seiner verstorbenen Eltern Trinkgelage, hält die Fasttage nicht, lacht und scherzt am neunten Ab, betet nur für sich, wenn auch in der allgemeinen chassidischen Betstube und unter den gräßlichsten Convulsionen und Verzerrungen u. s. w. ES versteht sich von selbst, daß der Chassidismus der größte Feind aller Bildung und Wissenschaft ist, daß er Alle, die nicht zu seiner Secte gehören, verachtet, ja fanatisch haßt, und daß er nach nichts mehr strebt, als die Zahl seiner Anhänger immerfort zu mehren. Eine einzige Tugend übt er im höchsten Grade, d. i. die Keuschheit; seine Wohlthätigkeit hat darum geringeren Werth, weil er sie, wenn auch in unbegrenztem Maße, stets nur an den