Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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195 Wüste gegeben wurde, und daß der erhabene und wichtige Punkt, in dem wir von einander abweichen, allein darin bestände, daß sie das Heil in einigen wenigen hohlen und leeren Ceremonien suchten, während wir wegen Vergebung und Verzeihung auf den Messias vertrauten, welchen die Gebräuche und Verordnungen vorbildeten. ES war eine Würde und ein Ernst in dieser Unterhaltung, welche dauernd und eindringlich zu machen die Stille in dieser Stunde, die Lieblichkeit des gestirnten Himmels und all' die Schönheiten und Wunder der Schöpfung, womit wir umgeben waren , viel dazu beitrugen. Dies war besonders bei den Frauen der Fall, welche mit Stillschweigen auf Alles lauschten, was wir sagten, und nur dann und wann mit unterdrückten Seufzern oder einem andächtigen in die Höhe gerichteten Blicke ihrer schwarzen Augen die steigenden Bewegungen verriethen, die sie an sich erfuhren. Am Tage unserer Abreise erreichten die Aufregung und der Lärm eine Hölle völliger Raserei. Juden und Christen, Priester und Volk zankten und stritten alle in einem verworrenen und betäubenden Getöse auf eine höchst leidenschaftliche Weise, und das dazu über die erhabendsten und heiligsten Dinge. Wir bemüheten uns, die hitzigen Streiter zu beruhigen und zu besänftigen; aber wir hätten eben so gut versuchen können, die vom Winde gepeitschten Wellen des Tsana zu beherrschen, als die keuchende und bewegte Menge, die sich um unser Lager versammelt hatte, zu besänftigen. Der Lärm und Tumult der streitenden Partheien, welcher unfern verlängerten Aufenthalt gänzlich nutzlos machte, veranlagte uns, unsere Maulthiere zu besteigen und von diesem unruhigen Schauplatze hinweg zu eilen. Etwa zwanzig Felaschas und mehrere Mönche, worunter der Ascetiker war, der wenige Tage vorher sich fürchtete, sich durch Berührung mit uns zu verunreinigen, begleiteten uns über einen wellenförmigen mit Akazien bedeckten Landstrich nach Schargee, zwei Stunden von Chamera entfernt, und hier verbrachten wir die folgende Nacht, da alle Juden in uns drangen, da zu bleiben. Wie an allen andern Orten, so waren wir auch hier von dem Augenblicke unserer Ankunft an, bis dahin, daß der sich neigende Tag die Leute zusammenrief, ihre Heerden zu besorgen, oder zu dem reinigenden Strome zu eilen, um sich darin zu waschen, ununterbrochen damit beschäftigt, die Zweifel des Aberglaubens zu lösen, die Jrrthümer des Unglaubens zu entfernen — und ihnen den wahren Weg zum Leben zu zeigen, wie er in der Schrift geosfenbaret ist. Alle ohne Ausnahme, das Volk und die Priester, die, welche uns schon gehörthatten, und die, welche uns jetzt zum ersten Male hörten, sie alle erkannten an, daß Christus in der Bibel verheißen sei, und daß sie uns nicht genug für die Mühe und Anstrengungen danken könnten, ihnen die erhabenen Wahrheiten bekannt zu machen, welche bisher die Wolken desJrrthums und Unglaubens vor ihrem Blicke verborgen