Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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193 macht hatten. Da die meisten von ihnen Priester der verschiedenen Gemeinden waren, welche niemals eine ganze Bibel als Eigenthum besessen hatten, so war das Verlangen nach der heiligen Schrift weit größer, als wir befriedigen konnten. Ehe wir irgend Einem ein Eremplar gaben, ließen wir ihn zuvor stets mehrere Stellen lesen, um uns von ihrer Bekanntschaft mit der Amharischen Schrift zu überzeugen, und da die Auswahl dieser Stellen immer von besonderer Wichtigkeit war, so wurde der religiöse und ernste Ton der Unterhaltung keinen Augenblick unterbrochen. Ein Mönch, dessen leichenhafter und düsterer Blick als einen von den schwärmerischen Ascetikern ankündigte, welche in den Wüsten und Einöden den Frieden suchen, den sie nicht in den von Menschen belebteren Orten finden können, näherte sich nun bis innerhalb einiger Ellen unserm Zelte. Wir luden ihn ein, näher zu kommen, aber anstatt unsere höfliche Bitte zu erfüllen, warf er einen Blick auf uns, in welchem Bosheit, Spott, Hohn, Haß und Bigotterie vermischt waren. Unsere Gleichgültigkeit gegen seine zornigen Grimassen und seinen wüthenden Fanatismus demürhigte seinen Stolz, und mit gerunzelter Stirn und gepreßten Lippen gesellte er sich zu dem Zirkel, unter welchem wir saßen. Diese Bewegung veranlaßt sofort einige Fragen über ceremonielle Reinheit, und der Mönch hatte, zum Erstaunen Aller, nichts zur Rechtfertigung seiner Scrupel über die Vereinigung mit denen zu sagen, welche nicht zu den Felaschas oder seiner eigenen besonder» Kaste gehörten. Viele gestanden offenherzig ein, daß Gorgorias, der Reformator der Hierarchie der Felaschas, nicht das sollte geboten haben, was Gott verboten hat, während Andere erklärten, daß eö besser sei, den Leib zu kasteien, als das Gesetz zu verletzen. Der Streit fing an ganz heftig und aufregend zu werden, als wir der Unterhaltung eine andere Richtung gaben und von dem Bunde der Werke zu der Betrachtung des Bundes der Gnade übergingen. Sie alle gaben zu, daß Jeremias 31, 31 sich augenscheinlich auf das Neue Testament beziehe; der finstre Mönch allein erklärte in einem aufgeregten und erbitterten Tone, daß er Jeremias nicht glaube, da er ein Christ und nicht ein Jude fei. Diese und ähnliche thörichten Behauptungen über verschiedene Weis-