Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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191 ernstlich zu erwägen. Wir gaben ihnen eine Bibel, und machten uns unter einer Fülle von Lcbewohlsagungen auf den Weg nach Chamera, dem Mittelpunkte von Dagoffa, einem Distrikte, der eine bedeutende jüdische Bevölkerung! enthält. Der Mittag war vorüber, als wir, nach einer äußerst ermüdenden und schweren Reise durch manchen üefen Abgrund und engen Hohlweg, wo die große Hitze eine? unbewölkten Himmels Kopf und Augen einen Schmerz wie von fieberischem Feuer verursachte, den Ort unserer Bestimmung erreichten. Da wir keinen königlichen Baldaraba, oder Führer von dem Könige, hatten, so drückte der Statthalter, ein sehr gütiger Mann, was in Abyssimen eure Seltenheit ist, sein Bedauern aus, daß er nicht für unsere Bedürfnisse sorgen könne, obgleich er gern versprach, für unsere Leute und Maulthiere Hütten zu verschaffen. Die Juden kamen bald nach unserer Ankunft uns zu sehen, und brachten uns, zu unserer freudigen Neberraschung, ganz unaufgefordert, Geflügel, Milch und Brod, gerade die Lebensmittel, die wir nöthig hatten. Wir sagten ihnen, daß wir beabsichtigten einige Tage bei ihnen zu bleiben, und daß wir es als einen Liebesbeweis ansehen würden, wenn sie ihre Religionsgenoffen von unserer Anwesenheit in Chamera in Kenntniß setzen wollten. Sie kamen unserer Bitte bereitwillig nach, und vor Abends noch wurden Boten nach allen Weilern und Dörfern der Felaschas abgesqndt, die Ankunft der weißen christlichen Felaschas von jenseits Jerusalems — dem yrt, den alle- Abyssinier als den Mittelpunkt des Weltalls und die Wiege der Religion und Frömmigkeit betrachten — anzuzeigen. Ehe die Sonne am Horizont aufgestiegen war, saßen wir auf einigen Steinen im Schatten eines Felsen, und sprachen mit der ganzen Einwohnerzahl der Felaschas über den Gegenstand, der uns nach Abyssinien brachten Sie zeigten alle ein großes Verlangen, mit dem Inhalte des Wortes Gottes und mit dem Heilsplane durch einen Erlöser bekannt zu werden. Es ist ganz unmöglich, die erstaunten Blicke und den Ausdruck der Furcht auf ihrem Gesichte zu beschreiben, ass wir uns weitläufig über die Opfer aussprachen, und deutlich zeigten, daß die gcheimnißvollen Gebräuche und sinnbildlichen Opfer mit der Ankunft dessen aufhören sollten, welcher jedem Bor-