Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554717-2554724--03812-2559722- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wir in ihren Bibeln bezeichnet hatten, vorlas. Das Geräusch, das Sprechen und die Aufregung dauerte bis in die Nacht, und dann versank Alles um uns herum wieder in eine vollkommne Stille, ausgenommen, daß in Zwischenräumen von einigen Minuten das gellende Geschrei der hungrigen Hyäne, oder das grausame Geheul des Leoparden die tiefe Stille unterbrach und uns daran erinnerte daß wir in Afrika — in einem wilden und barbarischen Lande waren. Wir waren in Genda vom achten bis zum achtzehnten October, und obschon wir während dieser Zeit beständig beschäftigt waren, die frohe Botschaft von der Gnade Hunderten und aber Hunderten der Felaschas zu verkündigen, welche aus allen Theilen Abysstniens — von den dunklen Höhen des Semien und aus den schädlichen Gebüschen Quaras hergekommen waren, so hielten wir es doch für rathsam, ungeachtet, daß sich der Strom der Besucher nicht verminderte, die Botschaft deS Heils auch nach den Wohnungen und Dörfern des Volks zu bringen, wo Alt und Jung, Mann und Weib von nnserer Botschaft Nutzen haben möchten. Dies veranlaßt« uns, unsere kleine Karavane wieder in Bewegung zu setzen. Unsere Richtung ging südwest, über ein ausgedehntes Weideland, auf welchem ungeheure Heerden Vieh weideten, die den Zelan, einem nomadischen Stamme gehörten, der sich zu einer Art bastardartigen Glaubens bekennt, der mit einigen wenigen christlichen Gebräuchen alte unsinnige Grillen ihres früher» Heidenthums verbindet. In Lai Belasch, einem kleinen Dorfe der Felaschas, machten wir einen kurzen Halt, um zu dem Volke zu reden, das bei unserer Annäherung uns entgegen kam. Es hatten sich etwa zwölf Erwachsene und einige Kinder um uns versammelt, aber unter dieser Gruppe war kein Einziger, der auch nur die geringste biblische Kenntniß hatte, oder uns die einfachsten Fragen über Religion beantworten Konnte. „Wir vollziehen täglich Waschungen, fasten zwei Mal in der Woche, geben unfern Priestern den Zehnten, thun Buße, empfangen Absolution, und diese Sachen" wiederholten sie oft, „sichern uns den Himmel und die Seligkeit des Paradieses!" Daß die Stimme, welche auf dem Berge Sinai redete, nur auf die Zeit beschränkte Verheißungen ankündigte, das hatten sie nie gehört, und ihre Wan-