Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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184 und spiegelglatten Tsana. Hier stand auf einer schwindelnden Höhe die christliche Kirche mit einem großen in der Sonne strahlenden Kreuze, umgeben von Fichten, deren schwarz grüne Zweige mit stets wechselnder Pracht in den herrlichen Sonnenstrahlen funkelten und glänzten, während vor und hinter uns üppige Felder von reifendem Weizen, Test, Gerste und Bohnen wogten, begränzt von den Streifen der gelben Oelpflanze und eingeschlossen von Hecken aus Jasmin, Geißblatt und zahlreichen andern Pflanzen und Unkraut, welche bei jeder Berührung einen die Luft schwängernden Wohlgeruch athmeten. Wir blieben kurze Zeit in Gorgora Dereskee, wo sich sogleich eine zahlreiche Zuhörerschaft um uns versammelte. Wie an vielen andern Orten, hatten sie niemals eine ganze Bibel als ihr Eigenthum besessen, und aus Mangel an Schriftkenntniß waren ihre Herzen ganz verfinstert, und glaubten wie alle ihre ReligionSgenoffen, daß Fasten, Kasteiungen, Opfer, Zehnten, tägliche Waschungen und dergleichen Dinge den Forderungen deS Gesetzes Gottes genügten und des Menschen Sünde versöhnten. Von der Reinheit der Gedanken und der Heiligkeit des Gemüths hatten sie keinen Begriff, und als wir sie fragten, ob sie denn glaubten, daß solche bloß äußere Werke, wie sie genannt hatten, ohne entsprechenden Glauben und Liebe zu Gott, wodurch unsere Handlungen geordnet werden müssen, in den Augen dessen der sagt: „Ihr sollt heilig sein denn ich bin heilig," hinreichend seien, schüttelten sie blos mit dem Kopfe und sagten: „Wir haben unsere Priester, und was die anordnen, das thun wir unbedingt." Wie bemitleidenswerth ist der Zustand dieses armen betrogenen Volks, das mit seinem ganzen Bewußtsein der Sünde und dem tiefen Gefühle der Schuld nur das verdammende Gesetz zur Zufluchtstätte und zu seinem Tröste die Qual selbst auserlegter Martern hat. Unser nächster Halteort war Atschergee mit etwa. zwanzig Familien, die alle Weber sind. Ihre Weberstühle, welche von so roher Art waren, wie man sich nur denken kann, standen unter Schuppen beim Eintritt in das Dorf, und bildeten eine vollkommene Barrikade gegen die Einfälle der Hyänen und Leoparden, welche hier in Ueberfluß sind. Wir nahmen in dem mittelsten Schuppen Platz und fingen an, verschiedene Fragen über