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Dibre Emeth · 1862-01-01 · 11-12 (1862) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
18 (1862)
Issue
11-12 (1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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181 Herzen getroffen und ihre Gemüther mit heiliger Scheu und Erstaunen erfüllt hatte. Als wir fortgingen, sagte der alte Mönch zu mir: „Wir sind Eins der Abkunft nach," „aber nicht Eins," erwiderte ich, „im Glauben." „Das kann noch werden," war die Antwort. Nach einer Reise von einer Stunde kamen wir nach Gouerna, einem großen Dorfe, dessen Häuser zerstreut zwischen Feldern und Bäumen, Hügeln mit lächelndem Grün und Heckenreihen liegen, welche bei der strahlenden Sonne in verschiedenen Farben glänzten. Die mit Stroh bedeckten Hütten der Felaschas lagen in einiger Entfernung von denen ihrer christlichen Nachbarn, eine Vorsicht, welche vom Aberglauben, Vorurtheil und den kirchlichen Gebräuchen beider Glaubenspartheien streng gefordert wird. Wir eilten vorwärts der Niederlassung zu, wo wir auf dem schrägen Boden von einem Maulbeerfeigenbaum überschattet gegen zehn Felaschas fanden, welche ein zerrissenes und beschmutztes, auf Pergament geschriebenes Evangelium Johannes studirten. Der Anblick dieses Stückes aus dem Worte Gottes überzeugte uns sofort, daß unser Zweck und unsere Mission bereits einiges Forschen unter dem Volke angeregt habe, und wir hatten daher keine Schwierigkeit, ein Gespräch über Religion mit ihnen anzuknüpfen; aber in demselben Augenblick drangen Geschrei und Geheul, lautes Gekreisch der Weiber und wüstes Getöse der Männer in wildem und verworrenem Brausen gegen unsere Ohren. Der Tumult und Aufruhr wurde immer deutlicher, bis wir uns von einer aufgeregten und wüthenden Menge umringt sahen, welche uns mit allen Arten von Geberden und Verzerrungen des Gesichts erzählten, daß einige unserer Leute einen Landmann wegen einer Beleidigung, der er sich durchaus nicht schuldig gemacht, geschlagen hätten. Die streitenden Partheien, der unbeschränkten Wuth ihrer ungezähmten Natur überlassen, schrieen und brüllten wie Furien in einer Leidenschaft, welche kein Bittet» oder Drohen besänftigen konnte. Glücklicher Weise kamen uns einige Beamte, welche in dem Dorfe einquartirt waren, zur Hülfe, und durch diese zeitige Hülfe verstärkt, gelang es uns einen Gerichtshof zu bilden, und nun bemühten wir uns, streng nach Uebereinstimmung mit dem Abyssinischem Gesetze, von beiden Seiten die Ursache des Zankes gründlich zu untersuchen.

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