Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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m* 179 dienst in Egypten gesehen und konnte sich nicht leicht von demselben trennen, daher will der liebe Gott denselben seinem schwachen Israel nicht ganz verbieten, er sagt daher: wenn ihr etwa ein Opfer bringen wollt, so macht es so und so damit, bringt mir diese Opfer und nicht den Götzen.— Der Resormjude belächelt und bemitleidet daber auch im Grunde seines Herzens die rabbinischen Juden, die an die Stelle der ehemaligen Opfer die oben erwähnten Dinge setzen. Denn da Gott nach dieser modernen Ansicht nicht zürnt, da er weder zeitliche noch ewige Strafgerichte über die Sünde verhängt, so braucht man also auch keine Mittel zu erfinden und anzuwenden, um diesen Gerichten zu entgehen. Wenn nun aber dennoch der Reformjude ebenso wie der rabbinische den in der Bibel klar und deutlich befohlnen Versöhnungstag, wenn auch vielleicht mit einigen Abkürzungen im Gottesdienst, feiert, den ganzen Tag vor Gott steht und bei 24 ständigem Fasten um Versöhnung betet, die er in seinem Innern vielleicht gradezu für Unsinn hält und jedenfalls mit Wort und That vielfach leugnet und bestreitet: begeht er da nicht grade an dem Tage, den das ganze Judenthum für den allerwichtigsten erklärt, die allergreulichste Heuchelei? und ist in solchem Falle der Reformjude nicht in einem viel traurigeren und strafbareren Verhältnisse als der rabdinische? Und das soll ein Versöhnungstag sein? „Sollte das ein Fasten sein, n. s. w.? Jes. 58, 5. Wir haben im Obigen erwähnt, daß man im Judenthum unter Buße, Gebet und Gerechtigkeit— Fasten, Geschrei und Almosen versteht, die den Versöhnungstag auszeichnen, und die „das böse Verhängniß abwenden können." Es ist daher auch nicht zu verwundern, wenn man im Leben keine Aenderung sieht, die ein solcher Versöhnungstag zur Folge hätte. Ehe derselbe kommt, steht der orthvdore Jude allerdings einen ganzen Monat lang jeden Morgen früh auf und geht in die Synagoge, um die Selichoth, d. i. Gebete um Sündenvergebung zu sagen; der Reform-Jude ist aber darüber hinweg. Er denkt nur mit Unmuth an das lange Fasten und Beten, an die vielen Stunden, die er in erstickender Lust in der Synagoge zubringen soll. Er macht aber , wie Viele sich nicht scheuen auszudrücken, „den Schwindel" mit; denn einmal im Jahre muß man