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Dibre Emeth · 1862-01-01 · 11-12 (1862) · page 10

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Journal
Dibre Emeth
Volume
18 (1862)
Issue
11-12 (1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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den Götzenmachern, die mit den Worten schließt: „Roch denkt er nicht: ist das auch Trügerei, das meine rechte Hand treibet?" Gilt nicht dasselbe ernste Wort auch von Israel, wenn man ihre Arbeit an einem solchen Versöhnungstage ansieht? Müßten sie denn nicht nach so vielen Jahrhunderten, in denen sie so viele Hunderte von Versöhnungstagen gehalten haben, in ihr Herz gehen und sich fragen: ist das nicht Täuschung, sind es nicht eitel nichtige Erfindungen und leere Menschengebote, nach denen wir Gott zu dienen und unsere Sünden zu sühnen meinen? — Der Reform-Jude, der sich wenigsten äußerlich noch zu dem orthodoxen Judenthum hält, leugnet die Nothwendigkeit und das Bedürsniß einer Versöhnung. Damit aber leugnet er die biblische Lehre von dem Zorne Gottes gegen die Sünde. Nach seiner Ansicht besteht zwischen dem sündigen Menschen und dem heiligen Gott gar keine solche Feindschaft, die eine Versöhnung zur unerläßlichen Bedingung machte, wenn der Mensch nicht aus ewig von seinem Gott geschieden sein soll. — Die ganze mosaische Opferlehre hat bei dem Juden überhaupt keine solche Wichtigkeit, wie die Bibel derselben beilegt; diese Lehre ist ihm gar keine solche göttliche Institution, wie z. B. die Beschneidung und Anderes. Denn schon Maimonides stellt die antibiblische Und grundfalsche») Behauptung auf, der ganze Opferdienst sei nur eine gewisse Nachgiebigkeit Gottes gegen das in Egypten an Opfer gewöhnte Volk gewesen. Nach diesem Vorgänge des Maimonides sagt nun gewöhnlich der rabbinische und der Reformjnde, Israel hatte den Opfer- *) Maimonides gründet seine Behauptung auf die Ansicht, daß die Opfer ursprünglich eine Erfindung des heidnisches Götzendienstes gewesen wären. Wie falsch aber diese Annahme ist, geht schon daraus hervor, daß wir die Opfer schon in der allerftühesten Zeit finden, ehe noch ein Heidenthum und Götzendienst vorhanden war; denn schon Kain nud Abel brachten „dem Herrn" ihre Opfer. Dann aber ist die ganze sogenannte Accommodationstheorie darum falsch und verwerstich, weil sie des heiligen Gottes ganz unwürdig ist. Beweist nicht das ganze mosaische Gesetz das grade Gegentheil? Der Herr sagt in demselben 3. Mos. 20, 23 ausdrücklich zu Israel: „Wandelt nicht in den Satzungen der Heiden;" und alle seine Verordnungen und Anstalten haben den Zweck, sein Volk von den Heiden abzusondern — „ ihr sollt mir heilig sein, denn ich, der Herr, bin heilig, der euch abgesondert hat von den Völkern" 3. Mos. 20, 26.— sie find eine feste und scharfe Scheidewand, die zwischen Israel und den Völkern gezogen wird, aber keine Accommödation.

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