Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWW^ 177 eingehen zu einem glücklichen und langen Leben und zum Frieden." Darauf legt er die Hände auf das Sühnopfer, wie man die Hände auf die Opfer legte und giebt den Hahn sogleich zum Schlachten. Mit diesen Mitteln begnügt sich der rabbinischeJude, und erwähnt nun, es könne ihm gar nichts fehlen. Aber das Wort der Schrift hat die Versöhnung nicht an irgend ein beliebiges Werk menschlicher Erfindung gebunden. Weder Fasten, noch Beten, noch Almosen, noch auch die allerbeste Buße, noch alle diese Stücke zusammen, am allerwenigsten ein geschlachteter Hahn hat die Kraft, den Sünder zu versöhnen, sondern nur das von Gott selbst verordnete Opfer, dargebracht von dem von Gott verordneten Priester in der im Gesetz Moses vorgeschriebenen Weise. Denn es heißt dort 3. Mos. 16, 32: „Es soll aber solche Versöhnung thun ein Priester, den man geweihet und deß Hand man gefüllet hat zum Priester an seines Vaters Statt." Es ist klar und unleugbar, daß die Rabbinen, indem sie so verschiedene Dinge anführen, welche die Sünde Israels versöhnen sollen, selbst von der Nichtigkeit derselben überzeugt waren. Denn da weder das Eine noch das Andere der vergeblichen Versöhnungsmittel irgend welchen Grund im Worte Gottes hat, so ist es offenbar, daß sie nur Täuschung find. Hätten die Rabbinen die Gewißheit gehabt, der bloße Tag an sich versöhne die Sünde, warum hätten sie dann noch zu Fasten u. s. w. ihre Zuflucht genommen, und warum dann noch überdies das Schlachten eines Hahns angeordnet, bei dessen Darbringung ein Jeder spricht: „Das ist meine Versöhnung?" Wer kann denn aber Sünde vergeben, als allein Gott? So kann auch Er allein das Mitel angeben, wie Vergebung und Versöhnung zu erlangen ist. Und ist es nun nicht höchst betrübend zu denken, daß so viel Tausende in Israel alle Jahre einen so harten Dienst thun, wie der rabbinische Versöhnungstag ist, und doch am Schluß desselben nur elendiglich betrogen sind! "Warum zählet ihr Geld dar, da kein Brot ist und eure Arbeit, da ihr nicht satt werden könnet?" Jes. 55, 2. Wie einem Hungrigen träumet, daß er iffet, und einem Durstigen, daß ertrinket, wenn er aber aufwachet, ist seine Seele matt und leer: so ist es mit Israel in Bezug auf seinen Versöhnungstag. Wir lesen in Jes. 44 eine ergreifende Schilderung von