Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Vergebung und Versöhnung. — Wenn aber unsre heutigen Juden sagen, die oben genannten Stücke ersetzen die Opfer, so verstehen sie unter Teschubah nicht einmal die wahre biblische Herzensbuße und Wiederkehr zu Gott, sondern sie erklären dies durch ein anderes nämlich durch Zorn d. h. Fasten; eben so soll Tephillah sein Kol d. h. Stimme, Geschrei und Zedakah ist nach ihrer Auffassung: Mammon, Geld, Almosen, so daß aus Buße — Fasten, aus Gebet — Geschrei und aus Gerechtigkeit — Almosen, oder das Ganze zu einem elenden ganz äußerlichen oxus operatum gemacht wird. Weil nun Israel am sogenannten Versöhnungstage volle 24 Stunden fastet, den ganzen Tag über auch in der Synagoge versammelt ist und mit starker Stimme ein Gebet nach dem andern herschreit, weil sie auch in den Tagen, die dem sogenannten Neujahr und Versöhnungstage vorangehen, mehr Almosen geben als zu andern Zeiten: so ziehen sie den Schluß, daß sie Teschubah, Tephilla und Zedakah gethan hätten, und daß bei ihnen nichts fehle von dem, was sie Gott zu leisten schuldig wären, und ihnen auch nichts mangeln könne von dem was Gott ihnen zugesagt habe, und daß sie mithin auch Versöhnung erlangt haben müßten. — Der rabbinische Jude hat aber nicht nur diese beiden Antworten auf die obige Frage, wie er von seinem jetzigen Versöhnungstage Versöhnung erwarten kann, sondern auch noch eine dritte. Nm den armen Sünder in dem Wahn von der Verdienstlichkeit seiner Werke und von der Kraft des Versöhnungstages an sich zu bestärken und ihm gleichsam einen gewissen Halt zu geben, daß er Etwas hat, das wie ein wesentlicher Ersatz für das Opfer aussehen soll: hat das rabbinische Judenthum die Erfindung von einem stellvertretenden Opfer gemacht. Dasselbe lehrt nämlich, daß am Vorabend des Versöhnungstages ein jeder Jude einen Hahn und eine jede Jüdin eine Henne nehmen und als Sühnopfer darbringen solle. Diese Handlung geschieht indem der opfernde Jude den Hahn in die Hand nimmt und, nachdem er einige bestimmte Verse aus Ps. 107 und Hiob 33, 24 gesagt hat, das Sühnopfer um sein Haupt schwingt und spricht: „Dieses ist mein Stellvertreter, dieses ist meine Auswechselung, dieses ist mein Sühnopfer. Dieser Hahn geht in den Tod, ich aber möge