Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 dem Herrn ein Opfer darzubringen. Fragt matt Nun heutzutage einen Juden, der mehr oder minder noch an dem sogenannten orthodoren Judenthume hält, warum er denn den Versohnungstag noch beobachte, da doch die großen Hauptsachen Tempel, Hohepriester, Opfer, fehlen, und wie er denn Versöhnung hoffen könne, so erhält man gewöhnlich die zuversichtliche und nach der Meinung des Juden wohl begründete Antwort: wir brauchen weder Tempel, noch Priester, noch Opfer; denn der Tag selbst versöhnt uns, d. h. die bloße Feier und Beobachtung des Tages genügt, um das zu erlangen, was ehemals durch Opfer erlangt wurde. — Das göttliche Gesetz, die göttliche Vorschrift sagt aber nicht: Der Tag an sich selbst versöhnt; sondern es heißt vielmehr so klar und deutlich, daß auch der Einfältigste nicht irren kann: „An diesem Tage geschiehet eure Versöhnung." Moses legt also nicht dem T a g e die Bedeutung und Kraft der Versöhnung bei, sondern vielmehr den Gebräuchen, die an demselben beobachtet werden mußten, und der Person, durch welche die vorgeschriebenen Handlungen vollzogen werden mußten.— Oder man sagt: Teschubah, Tephillah und Zedakak sind die Dinge, durch die wir in der gegenwärtigen Zerstreuung Versöhnung und Vergebung erlangen, oder diese drei Dinge entfernen das Uebel des göttlichen Strafurtheils. Tesobubab heißt eigentlich Umkehr oder wie wir gewöhnlich sagen: Buße; Tephillah heißt Gebet und Zedakah ist Gerechtigkeit. Nun sind allerdings diese drei Stücke: Buße, Gebet und Gerechtigkeit solche Dinge, die Gott der Herr von uns Menschen verlangt, und die ihm auch, wenn sie ans aufrichtigem Herzen kommen, Wohlgefallen; nirgends aber hat er in seinem heiligen Worte erklärt, daß dieselben das Opfer unnöthig und überflüssig machen, daffelbe ersetzen und eben das bewirken können, was sonst dem Opfer zugeschrieben wird. Buße wurde mit der Darbringung des Opfers zugleich verlangt, und ohne dieselbe hatte das Opfer für den Sünder keinen Nutzen. Aber der bußfertige Sünder könnte und durfte nicht sagen und sagte auch nicht: ich bedarf nun des Opfers nicht, sondern er beugte sich demüthig und dankbar unter dik göttliche Anstalt und Anordung und brachte das Opfer mit reuigem und bußfertigem Sinne. Ein solcher Sünder hatte auch