Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 11-12 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m der Mensch sich selbst rechtfertigen oder gerecht machen kann, nämlich durch Beobachtung einiger äußerlichen Ceremonien und allenfalls durch Ausübung einiger von und vor Menschen sogenannten guten Werke. Das Zeugniß der heiligen Schrift widerspricht aber solchen Gedanken; denn Moses und die Propheten bezeugen in Uebereinstimmung mit dem neuen Testamente, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke allein durch den Glauben. „Abraham glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit." 1. Mos. 15, 6. „Der Gerechte durch den Glauben wird leben." Hab. 2, 4. Von einem andern Wege gerecht zu werden ist nirgends die Rede. Wenn freilich die Gesinnungen vieler Reformjuden maßgebend sein sollten, die an diesem sogenannten Neujahr oft und viel von ihnen zu hören waren, so müßte man sagen, das Reformjudenthum lacht und spottet gradezu der Wahrheit, daß der Mensch, der Sünder, einer Rechtfertigung bedürfe. Denn wenn von derselben die Rede war, so hieß eS gewöhnlich: „Dummes Zeug, thörichte Gedanken, alberne Einbildung, daß Gott sich um solche Dinge bekümmern solle;" und waS dergleichen gottlose Reden mehr sind. Wiewohl aber dieselben ziemlich gäng und gäbe sind, so möchten wir sie doch dem Reformjudenthum im Ganzen und Allgemeinen nicht zur Last legen; sondern uns noch eines Bessern zu demselben versehen. Doch wir wollten nach der Ueberschrist eigentlich von dem Versöhnungstage reden. Außerdem was bereits oben aus 3. Mos. 23 über diesen Tag angeführt ist, handelt ein ganzes Kapitel, nämlich 3. Mos. 16. von der Feier und Bedeutung dieses Tages, und so wenig der „Trompeten-Tag" irgend eine Andeutung giebt über die Art und Weise, wie der Mensch von und vor Gott gerecht erklärt werde: so klar und-deutlich ist das Zeugniß, das Moses über diesen Gegenstand bei Gelegenheit des Versöhnungstages ablegt. Schon der Name „Versöhnung" weist darauf hin, daß hier von dem Verhältniß des Sünders zu seinem Gott die Rede ist, daß der Mensch gegen seinen Gott ein Schuldner und daher einer Versöhnung bedürftig ist. Der beleidigte Gott aber bietet in Gnaden, so zu sagen, die Hand der Versöhnung und ordnet den Tag an. Die weitere Beschreibung dieses Tages giebt das Mittel, die Art und Weise an