Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1862-01-01 · 11-12 (1862) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
18 (1862)
Issue
11-12 (1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554717-2554724--03795-2559705
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

173 aufzuweisen gehabt hätte als Sünde: sondern Alle liegen als arme Sünder vor dem Herrn und bekennen, daß selbst ihre Gerechtigkeit nur ist, wie ein beflecktes und unfläthiges Kleid. — DaS rabbinische Judenthum hat ohne Zweifel gemeint, „den heiligen Sabbath des Blasens" dadurch zu verherrlichen, daß es ihn zu einem so ernsten und feierlichen allgemeinen Gerichtstage gemacht hat; aber die Schrift warnt auf das Allerbestimmteste: „Thue nichts zu seinen Worten, daß er dich nicht strafe, und werdest lügenhaftig erfunden." Spr. 3V, 6. — Das Reformjudenthum hat wohl eine Menge Neuerungen eingeführt, Vieles wegreformirt, was im 19. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung nicht mehr als zeitgemäß betrachtet wird, Anderes neu ausgenommen, was den Bedürfnissen und dem Geschmack der Zeit als nothwendig und ersprießlich erachtet wird: aber der erste Tag des siebenten Monats ist auch bei den Hellen und erleuchteten Köpfen der Reform noch immer der Neujahrstag geblieben, und auch ihnen ist der genannte Tag als Neujahrstag so wichtig, daß wohl Keiner aus der Synagoge oder dem „Tempel" wegbleibt und an diesem Tage den Gottesdienst versäumt. Keinem fällt es, wie es scheint, ein, daß es gradezu lächerlich ist, sich im siebenten Monat des Jahres zum Neujahr zu gratuliren; sondern alle Freunde, Verwandte und Bekannte wünschen sich beim Nachhausekommen aus der Synagoge ein glückliches Neujahr! — Wir legen kein Gewicht auf diese oder andere Ceremonien, sie machen den Menschen, der sie beobachtet oder unterläßt, weder besser noch schlechter. Aber warum hat denn das rabbinische Judenthum sich solche Lehren und Dinge erdacht, der Neujahrstag sei ein Tag des Gerichts, Gott wäge die Sünden der Menschen gegen seine Verdienste ab, und der Mensch werde gerecht, wenn er mehr Verdienste als Sünden habe? Und warum hat denn das Reformjudenthum hier nicht eine Reform vorgenommen, das Falsche und Antibiblische zu entfernen, und dagegen die Frage schristgemäß zu erörtern und zu beantworten, wie der Mensch, der doch ein Sünder und dessen Dichten und Trachten nur böse ist von Jugend auf, gerecht werden mag vor Gott? So sehr auch rabbinisches und Reform-Judenthum von einander verschieden sind, darin stimmen sie offenbar mit einander überein, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.