Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 9-10 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Butterblumen und Storchschnabel bedecktes Thal nach Oibga, einer andern sehr ausgedehnten Niederlassung der Felaschas. Hier fanden wir vier Priester, welche sogleich mit einer bedeutenden Zahl des ge» meinen Volks aus ihrem furchtbaren Dorngehäge hervorkamen, um die weißen Boten des Kreuzes zu bewillkommnen. Die Priester, um die Erhaltung deS Vertrauens und der Achtung ihrer Heerde ängstlich besorgt, sagten in einer äußerst prunkhaften und stürmischen Weise eine ganze Reihe von Ritualgesetzen her, welche im dritten Buch Moses eingeschärft werden, und wandten sich dann mit einer zufriedenen Miene mit der Frage an uns, ob ihr Glaube nicht der sei, welchen Gott selbst dem Moses übergeben habe. Wir gaben vollkommen zu, daß Alles, was sie gesagt hätten im Gesetz enthalten und göttlichen Ursprungs sei; aber wir erinnerten sie auch zugleich daran, daß Gott etwas mehr verlange als Waschungen und die Beobachtung gewisser Gebräuche und Ceremonien, welche nach Allem doch nur den Leib betreffen, das verderbte und sündige Herz aber unverändert und unbekehrt lassen. Sie Alle gaben diese unleugbare Wahrheit stillschweigend zu, und hingen mit augenscheinlicher Genugthuung an unser» Lippen während wir ihnen klar machten, daß alle im Gesetz verordneten Vorbilder, Sinnbilder und Ceremonien dazu bestimmt waren, auf das Volk einen tiefen Eindruck zu machen von der Heiligkeit Gottes und der Verderbniß des Menschen — der Schuld deö Geschöpfes und der wunderbaren und vollkommenen Genugthuung in dem verheißenen Opfer des Erlösers. Einer von den Priestern, der von den Vieren am besten Unterrichtetste, in dessen Herz die Wahrheit deS Wortes Gottes augenscheinlich gedrungen war, rief mit einer von der tiefsten Rührung unterdrückten Stimme aus: „Ich bin jetzt zu voll, um sprechen zu können; aber kommen Sie in mein Dorf, denn ich wünsche mich mit Ihnen allein zu unterhalten, um auch meinen Leuten Gelegenheit zu geben, die gute Botschaft zu hören, welche Sie verkündigen." Wir versprachen, seine Einladung anzunehmen, was ihn so erfreute, daß er befahl den Theil der Schrift, den sie besaßen, mit all seinen glänzenden Umhüllungen und flitterhaften Verzierungen herauszubringen, und wir nahmen unter dem La-la-la der Frauen und dem Singen und Lesen