Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 9-10 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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163 einem Dorfe zum andern verbreitet wurde, machten wir von unfern wenigen Mußestunden Gebrauch, den verschiedenen Gemeinden der Felaschas in der Nachbarschaft unfern persönlichen Besuch abzustatten. Da Wogeida eine der nächsten Niederlassungen ist, so bestiegen wir unsere Maulthiere und reisten von Debterah Negousee begleitet, dorthin ab. Mehrere Landleute, welche die grünen Tefffelder jäteten, verließen, als sie uns ansichtig wurden, ihre Arbeit und eilten mit schnellen weiten Schritten uns voraus, um unsere Ankunft anzukündigen. Diese Kunde rief augenscheinlich einige Unruhe und Bestürzung hervor, denn wir sahen die Männer in ihre Hütten eilen und die Weiber in einer geheimnißvollen Weise sich mit einander unterhalten. Wir vermutheten sogleich, daß die Abvssinier falsche Nachrichten verbreitet haben müßten, die das arme Volk in Furcht fetzten, ein Argwohn, der sich als richtig erwies; denn unser Debterah, den wir zu ihnen in die Häuser schickten, kehrte bald mit einem Trupp von Begleitern zurück, welche uns, gleichsam über ihre ungegründete Furcht beschämt, in einem Tone tiefen Bedauerns versicherten, daß alle Bewohner des Dorfes uns mit Freuden begrüßt haben würden, wenn nicht einige böswillige christliche Priester sie mit der Nachricht in Furcht gesetzt hätten, daß wir beabsichtigten, ihnen den Matleb*), das verhaßte Zeichen des abyssinischen Glaubens, um den Hals zu binden. Da alle Befürchtungen und Besorgnisse über den Zweck unseres Besuches entfernt waren, kauerten sich ungefähr vierzehn Personen in unserer Nähe nieder, und hörten uns mit ungetheilter Aufmerksamkeit und mit Interesse zu, während wir zu ihnen von der wunderbaren und erlösenden Liebe Gottes redeten. Sie alle drückten ihre Dankbarkeit und Freude über das aus, waS wir ihnen sagten, und versprachen uns während unsers Aufenthalts in Genda öfters zu besuchen. Von Genda gingen wir quer über ein schönes, mit zartem Grase und einer Mannigfaltigkeit von prächtigen Gänseblümchen, *) Das Matleb ist eine blauseidene Schnur, die jeder Abysfinier und jede Abhsstnierin christliche» Glaubens um den Hals trägt, als bestimmtes Unterscheidungszeichen ihres Glaubens.