Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 9-10 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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heißung in Erfüllung gegangen: „die Herrlichkeit des zweiten Hauses soll größer sein, alS die deS ersten gewesen ist." Den Herrn der Herrlichkeit, der in jenem zweiten Tempel weilte, habe Israel verworfen, aus Unwissenheit gekreuzigt, wie Petrus ein Apostel, früher selbst ein Jude, vor gottesfürchtigen Männern unter allerlei Volks, das unter dem Himmel wohnte, an jenem Erntedankfeste zu Jerusalem in der ersten Pfingstpredigt, die je auf Erden gehalten worden ist, laut und feierlichst bezeugte, getrieben durch die Feuerkraft des Geistes, der reichlich über ihn und Andere ausgegossen war. Der Herr hatte mich gekräftigt, zum ersten Mal in meinem ganzen Leben einem solch gelehrten und orthodoren Juden gegenüber ein freudiges Bekenntnis zur Ehre meines Heilandes abzulegen, und kam mir das große apostolische Wort in die Seele: „durch Israels Abfall sind wirreich geworden." Der Gedanke stieg in mir so lebendig auf, daß auch dieser würdige Rabbi einst an jenem großen schönen Auferstehungstage ein Mitglied des großen Missionsvolkes auf Erden werden solle, durch welches das Reich Gottes bis an die Enden der Erden verbreitet werden wird. Die Freudigkeit meiner Unterredung wurde etwas gehemmt, als Herr... nun sagte, wie doch bei solchem Disputiren und solchen Erörternngen gar nichts herauskomme; ihn werde doch Niemand von seiner durch Studien gewonnenen Ueberzeugung abwendig machen, ihm sei Proselytenmacherei fremd und er könne mir die Versicherung geben, daß, seitdem es im preußischen Staate gestattet sei, aus dem Christenthume zum Judenthume überzutreten, viele Mitglieder der christlichen Kirche zu ihm gekommen seien, um in dem Schooße seiner Synagoge eine Aufnahme zu finden; hier meinten sie den Frieden für ihr Herz zu finden, den sie vergebens auf evangelischem Boden lange gesucht haben; — da habe er ihnen denn Gewissenshalber bemerklich gemacht, wie ja auch der Christ verpflichtet sei, jene 10 Worte zu halten, die Gott seinem Knechte Moses auf Sinai's Höhen gegeben, und wenn der Christ eS über sich gewinnen könne, solchem Gesetze in allen Stücken zu genügen, so sei eS ja gar nicht nöthig, auf alttestamentlichen Boden hinüberzutreten, mehr würde hier von demselben auch nicht gefordert. Diese Toleranz des Rabbi frappirte mich momentan; ich vermuthete sie nicht