Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 9-10 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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147 das einzige Erbe, das Israel mktgebracht hat aus dem Lande der Verheißung, begrüßte und fragte mich, was meines BegehreS fei. „Herr Rabbi, so fuhr ich fort, haben meine selige Schwester Marie, wie mir das zm Kenntniß gekommen, recht lieb gehabt und stch in offener Weise geäußert: Da dieselbe mit warmer Liebe ihr Volk, welchem sie dem Fleische nach angehörte, wie solches die mannigfachen Verwendungen ihrerseits für verarmte Juden hiesigen Orts bezeugten, auf ihrem Herzen trug, sie deshalb selig werden müsse, wenngleich fie in den reiferen Jahren ihres Lebens sich der Taufe unterzogen habe." Fortan war ich nun bemüht, das Gespräch auf göttliche Dinge hinzulenken und nach einleitenden Bemerkungen und einzelnen gegenseitig ausgetauschten Ansichten fragte ich ihn, was er von der VersöhnungSlehre halte, die ja im 53. Kapitel des Jesaias in so evidenter Weise als eine bereits durch den MessiaS geschehene bekundet werde. Als Antwort ward mir, das Herr ... vor mehreren Decennien während seines Aufenthaltes in Strelitz eine Uebersetzung des Propheten Jesaias, durch den Professor und Doktor der Theologie Herrn G e seniu s verfaßt, auf einem Tische in dem Hause eines Freundes liegend gefunden habe und hoch erfreut gewesen sei, als er durch die Einleitung dieser Uebersetzung seine innerste Überzeugung ausgesprochen sah; denn bis dahin habe ihm gerade das Kapitel viele Scrupel gemacht. Es wäre ihm immer anstößig gewesen, wie ein Unschuldiger ein Sühnopfer für Andere werden konnte. Verhehlen durfte ich es dem Rabbi nicht, wie mir die theologische Richtung des Doktor Gesenius genugsam bekannt sei, und daß auch bei vielen andern gelehrten Theologen, welche nur dem Irrlichte ihrer durch die Sünde verdunkelten Vernunft Folge leisten, mit diesem trügerischen Grubenlichte in hoffärtiger Weise hinuntersteigen in die Schachte des göttlichen Wortes; — sich Fleisch und Blut gegen einen gekreuzigten, aber wahrhaftig auferstandenen Erlöser empöre; wem aber der Geist Gottes die Augen des inwendigen Menschen erleuchtet habe, derselbe Geist, welcher schon zur Zeit des Alten Testämeutes einzelnen von Gott besonders bevorzugten Männern ohne Verdienst und Würdigkeit geworden, zur Zeit aber des Reuen Bundes ein Gnadengeschenk für Alle werden kann, die mit der