Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 9-10 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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144 das, was Gott ihm gegeben, gebildet und entwickelt. Die innere Beschaffenheit des Menschen, das, was die heilige Schrift das böse Dichten und Trachten, das trotzige und verzagte oder steinerne und unbeschnittene Herz nennt, soll ihm also von Gott gegeben sein. Das ist, so viel wir wissen und wie wir bereits früher aus Zeugnissen der Zeit. d. I. angeführt haben, die Meinung und Ansicht der jüdischen Reform. Wenn nun nach den Lehren ihrer „rein menschlichen Religion" der Mensch „nichts in sich zerstören soll, was Gott ihm gegeben," so ist offenbar damit nichts Anderes gesagt, als er soll den alten Menschen ja nicht tödten, sondern vielmehr bilden und entwickeln zum Höchsten, er soll das arge, böse, verstockte, steinerne Herz ja nicht angreifen und ihm wehe thun, ihm ja keine Wunde schlagen, an der es sich verbluten könnte, sondern es vielmehr sorgfältig hegen und pflegen um es zu bilden und zu entwickeln. — Aber soll nicht mit dieser Warnung vor dem Zerstören des von Gott in den Menschen gelegten vielleicht ein Schlag gegen die christliche Religion und ihre Lehren geführt werden? Unser Messias und Herr, Zesus Christus sagt: „So deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir, und so dich dein Auge ärgert, so reiß es aus, und wirf es von dir" Matth. 18, 8. 9. Der Apostel Paulus schreibt Kollosser 3, 5: „So tödtet nun eure Glieder die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit" u. s. w. Das ist eine Lehre die nicht allein den Grundsätzen der Reform des Judenthums zuwider ist, sondern jedem natürlichen Menschen. Die „rein menschliche Religion" kann gar nicht anders als aufs Entschiedenste dagegen protestiren. Nur meinen wir, eine Religion, die, wenn sie sich auch eine rein menschliche nennt, doch jüdisch sein und auf jüdischem Grunde, auf Mose und dem alten Testament stehen will, sollte doch nicht so warnen, daß der Mensch „nichts in sich zerstören soll;" denn nicht blos das neue Testament verlangt ein solches Zerstören, wie die angeführten Stellen besagen, sondern auch das alte. Wenn der Herr selbst Jesaias 1, 16 dem Volke Israel zuruft: Waschet, reiniget euch, thut euer böses Wesen von meinen Augen;" so wird die „rein menschliche Religion" des jüdischen Bolksblattes sagen, da ist es ja klar und deutlich, daß kein Zerstören, sondern nur ein Waschen