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Dibre Emeth · 1862-01-01 · 9-10 (1862) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
18 (1862)
Issue
9-10 (1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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139 Ist aber die Religion des Reformjudenthums „rein menschlich," so emancipirt sich dasselbe jedenfalls von dem göttlichen Einfluß und stellt sich in seiner Religion auf den rein menschlichen, d. i. auf den heidnischen Standpunkt. Der Vorzug, dessen sich daher die Reformjudenschaft hinsichtlich ihrer Religion rühmt, durch den sie sich vor Allen auszeichnet, wäre also der, daß sie heidnisch geworden ist. „Mein Volk hat seine Herrlichkeit verändert um einen unnützen Götzen. Mein Volk thut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle verlassen sie,-und machen ihnen hier und da ausgehauene Brunnen, die doch löchricht sind und kein Wasser geben." Jenes traurige Armuths-Zeugniß der Reformjuden sagt ferner, daß ihre Religion „Alles, was menschlich ist, hochachtet und berücksichtigt." Wem fällt da nicht sofort das allbekannte wahre Wort ein: Irren ist menschlich. Der Vorzug der Religion der Reformjuden besteht also auch darin, daß sie die menschlichen Jrrthümer „hochachtet und berücksichtigt." Run ist es aber doch sonderbar, baß die jüdische Reform gegen die Jrrthümer, die sie bei und an uns Christen zu finden meint, ohne alle Hochachtung und Rücksicht so gewaltig zu Felde zieht und die Irrenden aufs empfindlichste zu geißeln bemüht ist. Lehrt Euch Eure Religion unser menschliches Irren „hochachten," warum erweiset ihr denn nicht auch den irrigen Bemühungen so vieler Christen, die Juden von den christlichen Aemtern im Staate und in der Schule fern zu halten, die Euch gebotene Hochachtung? Lehrt Euch Cure Religion Alles, was menschlich ist, hochachten, nun so schmäht und bespöttelt und verlacht doch nicht unfern, wenn auch in Euren Augen unvernünftigen und irrigen Glauben an einen dreieinigen Gott, an die Gottheit Jesu Christi, an die Lehre von der Versöhnung durch Christi Blut u. s. w. Es scheint aber die Hochachtung und Berücksichtigung alles dessen, was menschlich ist, dürfte sich nur in den Grenzen des eigenen Lagers halten und bewegen. — Man sagt: Irren ist menschlich, aber im Jrrthum beharren ist teuflisch. Daß es einen Teufel und also etwas Teuflisches oder Satanisches in der Welt gäbe wird die „rein menschliche" Religion der jüdischen Reform nicht zugeben, sondern allenfalls belächeln. Wenn wir demnach auch das Beharren im 10*

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