Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 7-8 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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133 nehm, und selbst wenn die Sonne dann und wann die dünnen, schleierähnlichen Wolken durchbrach, waren genug Zufluchtsörter vorhanden, wo sich eine ganze Armee vor der brennenden Mittagssonne hätte schützen können. Während unsere Begleiter hingingen, unfern Besuch anzumelden, zogen wir uns in eine angenehm erfrischende Laube zurück, die aus purpurblüthiger Wolfsmilch, Geißblatt, Weide, wilden Rosen und allen Arten aromatischen Gebüsches und Cypreffen gebildet war, und das mit einer Kunst und Vollkommenheit, die kein Gärtner nachahmen kann. Unsere stille Zurückgezogenheit dauerte nicht lange, denn das Gemurmel vieler Stimmen und das Nahen von Gruppen Felaschas aus allen Richtungen waren untrügliche Zeichen, daß unser Besuch großes Interesse erweckt und eine bedeutende Zuhörerschaft herbeigezogen habe. DaS Geräusch und die Bewegung, das Vor- und Rückwärtslaufen verschiedener Parthieen, welche einen Blick auf die fremden Besucher zu thun wünschten, dauerte ungefähr eine Viertelstunde, als ein langer Zug von Mönchen mit Turbanen auf den Häuptern, und mit einer Masse Volks in einiger Entfernung hinter ihnen aus verschiedenen Gehegen hervorströmte auf unsere Laube zu. Abu Moharee, mit einem schneeweißen Turban auf dem Haupte und einem Anzug von derselben Farbe und einem Bambusstabe in der Hand, ähnlich dem Krummstabe eines Bischofs, schritt in schweigender Würde an ihrer Spitze voran. Es war etwas Jmponirendes und Majestätisches in der Erscheinung dieses Mannes, was man kaum ohne Bewunderung und Ehrfurcht sehen konnte. Er ist meiner Meinung nach etwa sechzig Jahre alt, von edler und gebietender Gestalt, mit einer hohen, ausdrucksvollen Stirn, melancholischen, unstäten Augen und einem Gesichte, das ohne Zweifel einst milde und angenehm war, dem aber selbst auferlegre Kasteiungen und harte Uebungen einen ganz fremdartigen und unirdischen Ausdruck gegeben haben. Meine Begleiter und ich selbst standen gleichzeitig auf, als er und seine Nachfolger sich in einem wohlgeordneten Zuge näherten, ein Compliment, welches Alle'dankend anerkannten, und dann kauerte sich die Menge, alö ob es vorher so angeordnet worden wäre, zur Rechten und Linken der natürlichen Laube nieder, welche wir zu unserm