Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 7-8 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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119 den geeignetsten halten." Zwei Tage vorher, am Ende des Festes des Kreuzes, hatten sie in dem königlichen Zelte zu Mittage gespeist. Der König, welcher ganz zufällig eine Übersetzung des Heidelberger Katechismus erhalten hatte, den ich einem Bekannten geliehen, wurde für dessen Inhalt so interesstrt, daß er ihn zu einer Art von Handbuch machte, die Priester zu eraminiren; und da unglücklicher Weise die Meisten von ihnen nicht einmal die einfachste Frage beantworten konnten, so stieg seine bereits vorhandene Verachtung bis zu dem Grade, daß Viele von ihnen schon einer Kleinigkeit wegen unbarmherzig geschlagen wurden, und wenn ihr Vergehen nur etwas größer war, so wurden ihnen die Hände abgehauen, in der That „gebt", um mich der Worte des seligen Betts zu bedienen, „Sr. Majestät ein ähnliches Buch, und er wird dem ganzen Schwarm müßiger Drohnen, welche die Unwissenheit einer hergekommenen Kirche und eines gesunkenen Volkes ausbauten, den Kopf abschlagen." An demselben Abende ließ er seine Fragen auch auf das religiöse Gebiet hinüber schweifen und fragte sehr eindringlich, ob Fasten recht oder unrecht sei. B r o n k h o r st antwortete kurz, daß es unrecht sei, wenn es als ein verdienstliches und rechtfertigendes Werk betrachtet und ihm so zugestanden würde, ein Ersatzmittel des versöhnenden Blutes und der zugerechneten Gerechtigkeit Christi zu werden. Er antwortete schnell: „Acconat" (das ist wahr) und indem er sich dann zu einigen wohlbeleibten Geistlichen wendete, unter welchen Etchegue, der zweite Würdenträger der Kirche war, fragte er sie, ob eine gewisse Geschichte von Petrus in dem Neuen Testamente enthalten sei, und als er eine bejahende Antwort erhielt, wandte er sich mit der Frage an Bronkhorst und Fl ad, ob die Priester recht hätten. Unsere Freunde, so ungern sie die Geistlichen unglücklich machen wollten, durften sich doch nicht weigern, den königlichen Fragsteller zu befriedigen. Der König wurde ganz unwillig , nannte die Priester Blödsinnige, Dummköpfe und Esel (das verhaßteste und durch ein königliches Gesetz verbotene Schimpfwort) und schwur, um seinen Zorn zu stillen, daß, wenn er nur erst Ruhe vor seinen Feinden hätte, er sie lehren wolle, daß Thätigkeit und das Studium und nicht Müßiggang und Faulheit des Priesters Beruf sei.