Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 5-6 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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103 sein, auf diese lustige Höhe geführt hatte, so eilte ich in das Heiligthum. Durch eine runde Mauer kamen wir in die erste Abtheilung der Kirche, welche den Kirchhof bildet, und wo das Bethlehem steht, in welchem die Priester das Brod zum Abendmahle bereiten. Dieser offene Raum mit zahlreichen Trauercypreffen, welche bei jedem Säuseln des Windes ihren tranerartigen Klang über die von ihnen beschatteten Gräber ertönen lassen, war von denen eingenommen, welchen der gesetzliche Kirchengebrauch diesen Ort zu ihrem Aufenthalte anwies. Eine Menge reinlich gekleideter Männer und Frauen saßen, als ob sie in irgend einer öffentlichen Promenade oder einem Garten wären, entweder in malerischen Gruppen oder in engen Kreisen bei einander und unterhielten sich über Gegenstände, welche nach ihrer Fröhlichkeit und Lustbarkeit zu urtheilen, wenig mit Religion, oder dem Dienste zur Ehre des Heiligen zu thun hatten. Da wir nicht zu dieser unreinen Klaffe gehörten, welche von dem Innern des heiligen Gebäudes ausgeschlossen wird, so stiegen wir zwei oder drei Stufen hinauf und gingen dann über eine aus Steinen, Ziegeln und Mörtel gebildete Abtheilung, die mit der äußern gleichlaufend ist, wo wir uns auf dem zweiten, bedeckten Gange und an der Schwelle des viereckigen Raumes befanden, welcher das Sanctum sanctorum (das Allerheiligste) bildet. Mengen aus dem Laienstande und der gelehrten Klasse oder der Debterahs nahmen den ganzen Raum ein. Diese letzteren bilden in allen Kirchen den Chor, und ihre andachtSlosen Stimmen erfüllten mich, wenn sie zu dem eintönigen Klange des Negorcet sangen, bei dieser Parodie auf den christlichen Gottesdienst, mit Abscheu. Während der ganzen Zeit des Lärms und Getöses schwangen die Priester in flimmerndem und zerlumptem Domherrnschmuck, und die Chorknaben in flitterhaftem Putz aus zerrissenem Seidenstoff, schmutzigem Damast und farblosem Zitz die Räucherfäßchen, oder lasen die Litanei, oder bildeten Processionen. Dann und wann ging ein Priester von einem das Rauchfaß schwingenden Diakon, oder einem Träger des äthiopischen Evangeliums begleitet, aus seinem 8a»vtum (Heiligthum) ans den Kirchhof, wo die Unreinen und Befleckten versammelt waren, und wo dann sogleich aus