Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 5-6 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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103 gewundener Pfad, mit einem tiefen Abgrunde auf der einen und hervorragenden Felsen auf der andern Seite, führte uns aus einen prächtigen grünen Platz, wo ein, von üppigem und reichem Laubwerk tropischer Gewächse überschattetes großes Gebäude in einsamer und ernster Abgeschlossenheit verborgen lag. Um dasselbe herum, obschon es ganz nahe an der Hauptstadt lag, war kein Zeichen menschlichen Lebens — nicht einmal eine Hütte war an diesem düstern Orte, wo ein Einsiedler der alten Zeit oder ein Mensch, der des Geräusches und der Zerstreuung des Lebens überdrüßig und müde ist, Alles das hätte finden können, was er zur Erwägung der Eitelkeit des Vergangenen oder der künftigen Unsterblichkeit nur wünschen kann. Gegen Norden lag das, mit seinen kühnen Umrissen von dem wolkenlosen Himmel begränzte, sich in wilder Verwirrung emporthürmende Gebirge Woggera vor uns, das von der in Wolken gehüllten zackigen Spitze des weißgrauen Semien überragt wurde. Gegen Südwest breitete sich die weite Ebene von Dembia aus mit ihren reichen und wogenden Feldern, zahlreichen Flüßen und ruhigem See, die von dem dunkeln und entfernten Gebirge G odzam begränzt wird, wo der blaue Ril seine Quelle hat und woran das Land der Gallas stößt, während der Blick nach dem vom Horizonte umsäumten Westen sich bis an die Gränzen der Sandwüsten W alkeit und Armatgioh o erstreckte mit der mannigfachen Abwechselung von Bergen und Thälern, zackigen Felsen und finstern Schluchten, durch welche mancher schäumende und reißende Fluß sein brausendes Wasser über alle Naturhindernisse hinabstürzt, bis es sich endlich in die Atbora ergießt, oder von der üppigen Vegetation des Kolla (niedern Landes) oder dem durstigen Sande der brennenden Wüste aufgesogen wird. Die Schönheit und das Malerische dieser magischen Scene hatte meine Aufmerksamkeit dermaßen gefesselt, daß ich den Zweck, der mich hierher geführt, ganz vergessen hatte, bis das betäubende Tom-Tom des Negorcet, das von dem Chore eines Heeres von Debterahs in wechselnden Tacten untermischt wurde, in zahlreichen Echos an mein unwilliges Ohr tönte. Das war das Zeichen, daß der Gottesdienst mit all seinem Pompe bereits angefangen hatte, und da mich der Wunsch, von der Ausführung desselben Zeuge zu