Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 5-6 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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101 angebotene Gnade verachtet, euch die ewige Verdammniß ankündigen wird." Mehrere folgten mit Thränen in den Augen und versicherten mich wiederholentlich, daß wenn Herr Bronkhorst, welcher uns zu begleiten verhindert war, sie unterrichten wollte, sie ihn mit Freuden als ihren Lehrer aufnehmen würden. Während unseres Aufenthalts in Gondar besuchten wir verschiedene Personen von Rang und Würden, unter andern Atzel Johannes, den Schatten-König und, nach den Abyssinischen Annalen, legitimen Thronfolger, der durch den Sohn der Königin von Saba ein Nachkomme Salomos in grader Linie sein soll. Er saß in einer kleinen schmutzigen Stube auf einem Seegras-Kiffen, hatte eine Mönchskappe auf dem Kopfe und las die Psalmen. Er richtete viele geographische Fragen an mich, und glaubte nicht, wie dies bei der Mehrheit der Abyssinischen Weisen der Fall ist, daß jenseits Jerusalems niemals die Sonne schien, und daß nur Schlangen und anderes giftiges Gewürm das Land bewohnten. Er vermied es sorgfältig, daß sein religiöser Glaube erörtert werde, und als ich dieses Musterstück von mönchischer Eitelkeit verließ, so konnte ich nicht umhin Gott zu danken, vaß der brave Theodorus und nicht der schwache, abergläubige und klägliche Atzel Johannes auf dem äthiopischen Throne sitzt. Von der Wohnung der Königswürde nahmen wir, ich und meine Begleiter, unfern Weg durch ein Labyrint von zerfallenen und ungepflasterten Gäßchen nach der Kirche Luslus ellichael, um daselbst ein seltenes und schönes äthiopisches Manuskript zu besehen. Einer von den an dieser Kirche angestellten Debterahs führte uns in ein kleines Gemach, eine Art von Sacristei, für die den Dienst habenden Priester, während er nach dem Manuskripte ging; aber der Aufenthalt von wenigen Minuten in diesem Anhängsel des Heiligthums reichte hin, ein so entsetzliches Gefühl in uns hervorzurufen, daß wir zur Belustigung mehrerer Priester unfern Rückweg suchten. Da ich niemals einem Abyssinischen Gottesdienste beigewohnt hatte, so begab ich mich in Begleitung einiger Bedienten des Abunas am Feste des heiligen Anastasius in die Kirche, welche nach ihm genannt ist, um Zeuge einer großen Feierlichkeit zu fein. Ein steiler