Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 3-4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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70 msf. welche sich an die Brust schlug, und der die Thränen ihre bleichen und braungelben Wangen Herabflossen, wiederholentlich: „Ach wie groß ist unsere Schuld! daß wir solch eine göttliche Liebe von uns stoßen und so kostbares Blut verachten!" Der alte Mönch wurde sogar weich und sagte uns mit großer Würde, daß er fest überzeugt sei, daß das 5. Buch Mos. 18, 15 sich aus Christum beziehe, und daß er und alle seine Brüder sich mehr auf ihre Werke und Frömmigkeit, als auf die Liebe und Barmherzigkeit Gottes verließen. Ich sagte ihnen, daß Herr Bronkhorst wahrscheinlich in Abyssinien bleiben und so Gelegenheit haben werde, sie oft zu besuchen; da ich aber eine Familie hätte, so wäre ich genöthigt, nach dem entfernten Europa wieder zurückzukehren. Sie waren sehr erfreut zu hören, daß wir nicht wünschten, sie nach einem kurzen Besuche wieder aufzugeben und erflehten mit der. größten Inbrunst über mich und die Meinigen den reichsten Segen. Da das Wort Priester oder Mönch in meinem Berichte oft Vorkommen wirb, so muß ich eine kurze Abschweifung machen, um baS jüdische MönchSthum zu beschreiben, wie es weit und breit unter den abgeschniltenen Uebriggebliebenen des Hauses Israel in Aelhiopien herrschend ist. Nach den glaubwürdigsten Nachrichten wurde das Christenthum zu Anfang des vierten Jahrhunderts, um das Jahr 330, von dem Mönche Frumentius in Abyssinien eingeführt. Tie jüdische Religion, frei von allen pharisäischen Zusätzen, scheint von dieser Zeit an zahlreiche Anhänger in Hobesch und jenseits der Meerenge im glücklichen Arabien gehabt zu haben. Der JSlamismus, welcher gleich einem unwiderstehlichen tropischen Brande seine verwüstenden und alles verschlingenden Flammen vom Indus bis an den Ganges, und von der chinesischen Mauer bis zu den Säulen des Herkules verbreitete, vernichtete die Herrschaft der Juden in ihrem Entstehen und bot nur die Alternative, entweder den Tod oder den Koran. Das Vorhandensein einer jüdischen Kolonie auf dem angrenzenden Festlande veranlaßte ohne Zweifel Viele die Freiheit in der Verbannung und Duldung in der Armuth zu suchen. Der Fanatismus, gleich einer Epidemie und verstärkt durch Verfolgung, wurde in der Einsamkeit genährt und reifte in den durchfurchten, rauhen und schroffen Gebirgen Simiens. Die armen Auswanderer, welche Armuth und Mangel der Freiheit und einem verhaßten Glauben vorzogen, suchten nun ihren eigenen Geist der Bigotterie