Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 3-4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Bergziegen zurück. Zu unserm Bedauern waren von den Männern viele in den Feldern oder in Gondar auf Arbeit, und folglich überwog bei unfern Zuhörern die Zahl des schwächeren Geschlechts bei Weitem die des stärkeren. Ein alter, von Stolz und Selbstgerechtigkeit aufgeblasener Mönch, sein eingeschrumpftes Gesicht halb in sein Quarrte oder wollenes Gewand gehüllt, hockte so unbeweglich wie eine Statue an einer Brüstung vor der Moöquid. Zum Schreck und Abscheu dieses scheinbaren Automaten lagerten wir uns an derselben Mauer, obschon dem Santon nicht nahe genug, um ihn mit unserer Gegenwart und Berührung zu verunreinigen. Ohne irgend welche Einleitung oder einleitende Unterredung, was oft selbst bei den Halbbarbaren so nöthig ist, fragten wir den heiligen Mann sofort, warum er das Mönchsgewand angenommen habe, da doch das Mönchthum in der Bibel indirekt, wenn nicht direct durch den Befehl verboten sei, daß ein Priester sollte verheirathet sein. Mit einem gemischten Ausdruck von Spott und Verwirrung auf seiner zusammengezogenen Stirn antwortete der Ascetiker: „Unter den Kindern Israel hat es Mönche gegeben von derselben Zeit an, da Aaron, der Hohepriester, den Orden stiftete". „O, Monorey" (Mönch) antworteten wir ihm, „wir fürchten sehr, daß Sie beffer mit den Wüsteneien bekannt sind, welche Sie durchwandert haben, als mit dem Worte Gottes, das Sie studirt haben sollten; denn wenn Sie Ihre müßige Zeit diesem nützlichen Gegenstände gewidmet hätten, so würden Sie gefunden haben, daß Aaron verheirathet war und Söhne hatte, welche ihm in seinem Amte als Priester folgten". Er war augenscheinlich geschlagen und starrte uns mit einem Ausdrucke von Verwunderung und Unglauben in seinen hohlen Augen an, welchen Männer von feurigem und ungezähmtem Temperamente in den östlichen und afrikanischen Himmelsgegenden annehmen, wenn eine unangenehm überraschende Wahrheit ihre schlummernden Kräfte plötzlich aufweckt. Von dem Mönche wandten wir uns zu der interessanten Versammlung vor uns und machten sie in deutlichen und einfachen Worten mit dem Zweck und Ziel unseres Kommens bekannt, und warnten und baten sie dann ernstlich als Sünder, welche unsterbliche Seelen entweder zu retten oder zu verderben hätten, dem zukünftigen Zorne zu entfliehen. Die wunderbare Geschichte von der Menschheit, dem Leiden und Tode unsers Herrn, damit die Sünden vernichtet und die Schuld des Sünders versöhnt werden möchte, ergriff sie tief, aber besonders rief eine alte Frau,