Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 3-4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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71 ihren Glaubensgenossen einzuflößen; und wie die Christen nicht viel Nutzen von dem Evangelium gehabt hatten, so hatten die Juden augenscheinlich nicht viel durch MoseS gewonnen. Einige Ritualgebräuche, wie sie im 3. Buch Moses, Kapitel 17—20 enthalten sind, machte ihre Religion auS, wie dies bis auf den heutigen Tag der Fall ist. DaS Volk, welches in ihren geistlichen Führern Nachkommen Aarons in gerader Linie erkannte und von der immerwährenden Angst der Seele gequält wurde, gab freiwillig von Allem, was es hatte, dieser selbsterwählten Priesterherrschaft den Zehnten, wie es dies noch thut. Menschlicher Ehrgeiz erhebt sich jedoch im Mittelpunkt Afrikas ebenso, wie im Herzen des civilisirten Europas, und der anmaßende Priester daselbst war, wie der fanatische Chacham in glücklicheren Ländern, nicht zufrieden mit der bloßen Priesterwürde, sondern er mußte auch durch die Heiligkeit seiner Person und die unmittelbare Reinheit seines Lebens vor der gemeinen Heerde ausgezeichnet sein. Die Schlaffheit der Sitten unter den Christen, welche auch die Juden angesteckt hatte, bot die ersehnte Gelegenheit dar, und ein Fanatiker, Namens Gorgorius, welcher sich zum Propheten ausrief, verkündigte laut das herrschende Uebel, und schärfte wie die, welche in der ersten Zeit des Christenthums einigen Aussprüchen unserS Herrn in Matth. 19 eine falsche Auslegung gaben, Allen, welche ihm folgen wollten, ein, dieselben Schritte zu lhun und zu gewissen Zeiten ein abgesondertes und einsames Leben zu führen. Diese Priester verbringen oft nach ihrer Einweihung mit einem blinden und unbedingten Glauben an den Stifter ihrer Kaste, gleichwie ehedem die christlichen Einsiedler, Monate und Jahre in sumpfigen Morästen, rauhen Wildnissen und giftigen Gebüschen, wo Wurzeln oder getrocknete Erbsen, welche letzteren sie mit sich führen, ihre einzige Speise und das Mittel ihrer Erhaltung sind. Viele unterliegen dem schädlichen Einflüsse der Atmosphäre, andere kommen vor Hunger um, während nicht wenige ein Raub der Löwen, Tiger, Hyänen und der andern wilden und giftigen Thiere werden, welche diese schädlichen Oerter bewohnen. Man sollte denken, daß solche Mühseligkeiten und Gefahren hinreichend sein müßten, Jeden von einem so gefährlichen und schweren Noviziat zurückzuschrecken; aber die Seuche des Fanatismus ist eine solche, daß Viele nicht allein Jahre hindurch Qualen und Entbehrungen, Hunger und Beschwerde ertragen, sondern