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Dibre Emeth · 1862-01-01 · 3-4 (1862) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
18 (1862)
Issue
3-4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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68 wir, daß wir beabsichtigten fie am Sonnabend wieder zu besuchen, was bei allen die größte Zufriedenheit verursachte. Sehr früh am andern Morgen trat der Debterah Negoufee, der Lehrer in Avorno, mit zwei andern Felaschas in unsere Stube und aus ihren traurigen und niedergeschlagenen Blicken ahnte ich nichts Gutes. Nach einigen Seufzern und nichtssagenden Blicken erzählte Negousee, daß unter den Felaschas das Gerede ginge, daß, obwohl wir gütige und tröstliche Worte geredet hätten, doch unsere Absicht sei, sie zu zwingen, Christen zu werden; und daß, wenn das wirklich unsere Absicht sei, er von seinen Leuten beauftragt sei, uns zu sagen, daß sie Alle, jung und alt, Weiber und Kinder, einem solchen Versuche selbst bis zum Tode widerstehen würden; aber wenn wir im Gegentheil (und sie wollten uns glauben, wenn wir es sagten) gekommen wären, sie in dem Worte GotteS zu unterrichten und sie unfern Glauben zu lehren, so würden sie uns in ihrem Dorfe bewillkommnen, auf unsere Belehrungen achten und freudig jede Wahrheit glauben, die in der Offenbarung enthalten ist. Wir sagten ihnen, daß die so emsig unter ihnen verbreitete Nachricht ihren Ursprung in dem Gehirn einiger bigotten, intoleranten und lügenhaften Christen hätte, welche sich freuten Mißtrauen und Argwohn zu erregen; aber sie möchten den Juden in unserem Namen feierlich erklären, daß wir als Fremdlinge gegen keinen Sr. Majestät Unterthanen weder Gewalt gebrauchen könnten, noch wollten, noch dürften; ja, noch mehr, wenn alle Juden bereit und willig wären, die Taufe anzunehmen, so würden wir sie keinem Einzigen ohne vorhergehenden Unterricht und unzweideutige Beweise der Ueberzeugung und Bekehrung ertheilen. Sie freuten sich über unsere Antwort und versprachen, sie den Juden wörtlich mitzutheilen. An demselben Tage Vormittags 9 Uhr gingen wir nach Defatscha, einem Dorfe eine Stunde süd-östlich von Gondar, wo gegen vierzig Felaschas-Familien wohnen. Der Morgen war kühl, und die hellglänzende tropische Sonne, welche der Hütte, der Kirche, den Basaltfelsen und den thautriefenden Mimosa-Sträuchern rosige Farben gab, war unfern dünn bekleideten Gliedern, wie auch denen jedes. Abysfiniers, welchem wir begegneten, höchst wohlthuend. Unsere behenden und sicheren Maulthiere legten den Weg, der in das steile Thal des Flusses Angureb führte, und dann wieder einen beinahe senkrechten Felsen hinauf, mit der Leichtigkeit und Gleichgültigkeit der

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