Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 3-4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2554541-2554717-2554720--03686-2559592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
67 Fragen an sie in Betreff ihrer Geschichte und Niederlassung in Abysstnien, aber alles was sie wußten, war die alte Fabel, daß Menelek, der Sohn der Königin von Seba, den sie mit Salomon gezeugt, sie nach Abyssinien brachte. Da wir nicht wünschten, uns bei diesem nutzlosen Gegenstände aufzuhalten, gingen wir zu einem andern über — dem Zweck und Ziel des Gesetzes. Gleich den Juden in Europa hegten sie die grillenhafte Meinung, daß sie durch das Festhallen an gewissen Vorschriften und ceremoniellen Gebräuchen das Gesetz hielten und vor Gott gerecht würden; daß aber der Zweck der Moral¬ und Civilverfassung, welche Moses auf dem Berge Sinai und in der Wüste geoffenbart wurde, der war, das Volk vom Götzendienste abzubringen und dasselbe durch eine lange Reihe von Vorbildern, eindringlicher Ceremonien und bedeutsamen Gebräuchen zur Annahme eines veredelnderen, geistigeren und heiligeren Glaubens, nämlich des Glaubens an das Evangelium vorzubereiten, war nie von ihnen zuvor vernommen worden, und sie waren daher nicht wenig erstaunt, als wir ihnen sagten, daß ihnen Gott, als ihr König, Wohlihäter und Erretter, Vorschriften für ihren Wandel und, als ihr endlicher Richter, Gesetze gab, die Abscheulichkeit der Sünde und die Nothwendigkeit eines Sühnopfers zu bezeichnen, und das nicht eines Sühnopfers, das in dem Blute oder Leben eines geschlachteten Thicres bestand, sondern eineö Sühnopfers gleich dem des Erlösers, welcher durch das Tragen unsrer Schuld der Gerechtigkeit Gottes genug that und uns mit dem Mittel zur Erneuerung unserer gefallenen Natur und zur beständigen Nachjagung in der Heiligung, versah. Dann wandten wir uns geradezu zu ihren Opfern und zeigten ihnen deutlich aus 5. Buch Moses, daß die Opfer an einem Orte, den Gott nicht erwählet habe, nicht nur verboten, sondern geradezu sündlich seien. Einige zanksüchtige christliche Debterahs wollten nun ihren polemischen Scharfsinn zeigen, aber ich brachte sie sofort zum Schweigen, indem ich fragte, ob sie und ihre Kirche an das Neue Testament glaubten? Einer von den Debterahs, Salassee, ein ruhiger, demüthiger und, wie ich glaube erleuchteter Mann, erwiederte schnell: „Wir haben einen besonderen Glauben". „Dann", sagte ich, „wenn Ihr einen besonderen Glauben habt, kann es nicht der des Evangeliums sein; und wenn eS nicht der des Evangeliums ist, dann ist er ein falscher". Sie alle gaben zu, daß sie ein gottloses böses Geschlecht seien und unfern strengsten Tadel verdienten. Den Felaschas sagten