Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 3-4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554717-2554720--03680-2559586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
61 dan zu nehmen und von da in das neuere Aethiopien einzutreten. Unsere Reise dauerte fünf beschwerliche und ermüdende Monate, ehe wir Mettamma, das letzte Dorf an der Grenze Abyssiniens erreichten. Hier glaubten wir, würden unsere Beschwerden und Mühseligkeiten wenn nicht enden, so doch geringer werden; aber zu unserem Schrekken fanden wir den Scheik rauh und tückisch und alle seine wilden Unterthanen unter Waffen und bis zum Wahnsinn aufgeregt. Auf unsere Erkundigung fanden wir, daß der panische Schrecken, welcher die Köpfe von Jung und Alt, Weibern und Kindern verdreht hatte, aus der Furcht vor einer Invasion der Bewohner Tigres entsprungen sei, um den Tod von 300 Landsleuten und Religionsgenoffen zu rächen, welche 14 Tage vorher bei einem Versuche, den Markt zu plündern, verrathen worden und in die Hände der in einem Hinterhalte liegenden Tougroureer gefallen waren, welche ihre feigen Angreifer erbarmungslos niedermetzelten. Der Scheik, ein alter Säufer, dem wir unsere Ankunft anzeigten, und den wir um eine Hütte baten, um darin vor der brennenden Sonne und den Heerden wüthender Hyänen, welche den Ort von Abend bis Morgen umschwärmen, Schutz zu finden, ließ uns sagen, daß wir unser Lager unter den Bäumen aufschlagen könnten, und wenn uns das nicht gut genug wäre, so könnten wir "ja gehen und uns aus dem Wege nach Wochnee tödten laffen. Diese ungastfreundliche Botschaft schreckte mich nun aber keineswegs zurück, ich schickte vielmehr meinen arabischen Bedienten mit meinem Firma», einem Briefe von dem Vicekönig von Egypten, und andern amtlichen Dokumenten versehen an ihn ab, und ich muß es dahin gestellt sein lassen, ob es die schauerlichen Bogen Papier, oder die gleich schauerlich großen Buchstaben waren, welche den würdigen Häuptling in Schrecken setzten, der übrigens ebenso wenig wie seine Unterthanen auch nur einen Buchstaben kennt, genug, es brachte augenblicklich die erwünschte Wirkung hervor; denn ehe ich in der Hütte eines freundlichen Eingebornen eine Taffe Kaffee trinken konnte, waren für uns zwei Hütten in Bereitschaft gesetzt, und der Scheik selbst kam mit mehr als hundert verdächtig aussehenden Wilden, sich nach unfern Bedürfnissen zu erkundigen. Am andern Tage nach unserer Ankunft kamen Gesandte von