Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 3-4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Artikel, „hat in positivster Weise den Glaubensschätz als Inhalt seiner Religion, welchen der Rationalist durch vie Zersetzung der kirchlichen Dogmen anstrebt und willkürlich dem Christenthum insinuirt. Er steht den Juden in völliger UebereinstiMmung mit seiner Religion' den Gott verehren, welchen er, der Rationalist, erst künstlich aus sei-' ner Kirchenlehre deducirt und mit dieser immerfort in Zwiespalt steht." Es besteht demnach zwischen dem Rationalisten und dem Juden die Harmonie und Gleichheit, daß beide denselben Gott verehren; daher kann man denn auch nicht so hart und lieblos gegen so nahe Glaubensverwandtschaft und Glaubenseinheit auftreten, es regt sich ein zartes Gefühl der Toleranz nicht nur, sondern der Sympathie gegen den Bruder. — Welche Verachtung und Bitterkeit spricht sich dagegen gegen den andern „entschiedenen Feind des JudenthumS," gegen den Pietismus aus! Von diesem heißt es in Nr. 40, S 576: „Bekanntlich ist nichts leichter und bequemer, als ein protestantischer Pietist zu sein. Welch eine Menge von Entbehrungen, Kasteiungen und frommen Uebungen gehört dazu, auf den Namen eines frommen Juden Anspruch machen zu können, welche sorgfältige Beobachtungen der Speise-, Sabbath-, Fest- und Fast-, der Reinigkeits- und anderer Gesetze, der Gebetvorschriften u. s. w. u. s. w. Auch der fromme Katholik, der täglich seine Messe zu hören, viele Gebete zu sprechen, die Fasten zu halten, Wallfahrten zu machen hat u. s. w., nicht minder der fromme Muhamedaner mit seinen Gebeten, Waschungen, Almosen, der Enthaltung von Wein und Schweinefleisch u. s. w. hat, um der ihm vorgeschriebenen Werkheiligkeit zu genügen, eine schwere Bürde zu tragen." ES scheint nicht, daß der Schreiber des Artikels „Anspruch mache auf den Namen eines frommen Juden," noch dürfte wohl die ganze Partei der Judenztg. und der Reform dies thun; denn die „sorgfältigen Beobachtungen der Speiseu. s. w. u.s. w. Gesetze" ist nicht gerade die starke Seite des Reformjudenthums. Da hat „die geschichtliche Entwickelung" jene Gesetze so ziemlich beseitigt und ein „geklärtes Judenthum" zu Tage gefördert, das nun nicht länger über Dies und Jenes beim Essen und trinken mäkelt, das sich auch nicht um die mosaischen Gesetze kümmert, das überhaupt ausgeschieden hat und immer mehr ausscheidet, was nach der Vernunft veS