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Dibre Emeth · 1862-01-01 · 3-4 (1862) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
18 (1862)
Issue
3-4 (1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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45 andern Seite ihr trauriges Spiel treiben. Es ist wahr, daß die orthodoxe Partei die finstere Bahn des Pharisäismus nicht verlassen, daß sie Alles, was rabbinische Schwärmerei je ans Tageslicht brachte, als göttliche Ueberlieferung anerkannt haben will, daß sie, nach den Worten des Herrn, „Mücken seiget und Kameele verschlucket;" aber unverkennbar steht man an dem ganzen Gebühren des an ihrer Spitze stehenden Rabbiner Hirsch, daß auch Ehrgeiz und Neid gegen das Rabbinerseminar in Breslau, gegen welches er gleich bei seinem Entstehen eine zweideutige Rolle gespielt haben soll, ihn zu diesem unsinnigen Kampfe anspornen. Andrerseits befindet sich die Reformpartei in einer bösen Klemme, weil sie nicht offen mit ihren wirklichen Ansichten über den RabbinismuS ans Tageslicht treten will, sie ist selbst, wie sie den Gegnern vorwirst, „lichtscheu." Wer die Philippsohn'sche Jud.-Ztg. und andere Blätter gleicher Art lies't, der kann sich zur Genüge überzeugen, daß diese Herren Reformer nichts weniger als an einen göttlichen Ursprung der Tradition glauben und daß es ihnen auch wenig darauf ankommt, das Wort Gottes zu entstellen, wenn sie nur ihre Ansichten hineinschmuggeln können. Scheut sich doch nicht der Rabbiner Philippsohn in einem Leitartikel Nr 50 seiner Jud.-Ztg. zu behaupten und aus der heil. Schrift beweisen zu wollen, daß das „Königthum von Gottes Gnaden" nicht biblischen, sondern heidnischen Ursprungs sei, und dies mit Hintansetzung der „traditionellen Auslegung," die er selbst anführt. Würben also diese Herren ehrlich zu Werke gehen und sich offen vom Rabbinismus lvssagen, so würde ihnen von ihren Gegnern nichts Schlimmeres begegnen, als was ihnen täglich begegnet, nämlich, sie würden sie als Ketzer ausschreien, und damit hätten alle Streitigkeiten ein Ende. Aber nein, sie ziehen es vor, ihren Feinden gegenüber zu behaupten, daß sie an die mündliche Ueberlieferung glauben und dem Rabbinismus die volle Autorität bewahren wollen. Daher ei» fortwährendes 8a- Viren ihrerseits, ein beständiges Hinken auf beiden Seiten, das ihre Gegirer auszubeuten wissen; daher immerwährende Streitigkeiten, oft um Haarsplitterei, während das Wort Gottes von beiden Parteien entstellt und von einer jeden zu ihren Zwecken gemißbraucht wird. Wahrlich die Mahnung des Propheten Jeremias findet auch

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