Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 3-4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 binen das ErcommunicationSrecht genommen, so wären wir wahrscheinlich noch nicht weit über den Standpunkt der Juden in Konstantinopel, in Jerusalem, oder in Volhinien hinaus." Aus welchem Boden, fragen wir nun, wucherte und wuchert noch üppig die Verketzerungssucht?! Aber was kümmern sich diese Herren Reformrabbiner, die immer „um Licht und Wahrheit zu kämpfen" vorgeben, um wirkliche Wahrheit? Wenn nur die Lüge in ihren Kram paßt, so bekommt sie den Namen Wahrheit, und wird in ihren Blättern, wie mancher Spcculationsartikel in den Zeitungen als acht und wahr ausgeschrieen und zur Wahrheit gestempelt. Was hat nicht alles der „wahrheitliebende" Redacteur der Judenztg. in die Welt hineingeschwatzt von jüdischer Toleranz in religiöser Beziehung, und zwar wider besseres Wissen und Gewissen; denn die jüdische Geschichte, die ihm doch nicht fremd ist, liefert Beispiele genug vom Gegenthcil, (man denke nur an das Verfahren gegen Spinoza) und der RabbinismuS, der doch bis in dieses Jahrhundert hinein, ja fast bis l)r. Philippson Rabbiner wurde, das ganze Judenthum repräsentirte, behauptete ja von jeher seine Macht nur durch die Waffe des Bannfluches. Aber das Alles hat ihn nicht abgehalten den Leuten Sand in die Augen zu streuen und die religiöse Toleranz des Judenthums fortwährend zu rühmen. Run hat sich diese Unwahrheit schwer an ihm gerächt; nicht nur muß er Zeuge dieses heftigen, religiösen Streites sein, in welchem sich die Parteien gegenseitig verketzern und dazu auch demselben die Spalten seines Blattes öffnen; sondern er mußte eS auch erleben, daß eine große, orthodoxe Partei, an deren Spitze Dr. Lehmann, Rabbiner in Mainz, steht, gegen ihn selbst sich erhob, ihn selbst als Ketzer und Ungläubigen verschreit und eine neue jüdische Zeitschrift: „Der Israelit" genannt, gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihm überall entgegenzuwirken und die Juden vor seinem ^Nationalismus" und seinen „Irrlehren" zu warnen. Unmöglich kann sich der unparteiische christliche Beobachter eines Gefühls deö Schmerzes und des Mitleids über solche Zustände in Israel erwehren, unwillkürlich drängt sich ihm die Ueberzeugung auf, daß hinter dem scheinbaren Religionseifer Ehrgeiz und Neid auf der einen, und Mangel an Aufrichtigkeit und Verstellungskunst auf der