Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 3-4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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46 heute ihre volle Anwendung: „Wie wöget ihr doch sagen: wir sind weise und haben des Herrn Gesetz bei uns. Hat es doch der Lügen« griffe! der Schriftgelehrten zur Lüge gemacht". Aber nicht nur auf religiösem Gebiete, sondern auch zu politischsocialen Zwecken wird das Wort Gottes von diesen „Leitern Israels" schrecklich gemißbraucht. Es ist bekannt, und in Viesen Blättern wiederholt gezeigt worden, wie Dr. Philippsohn mit der heil. Schrift zu Werke ging, als er aus derselben beweisen wollte, daß im jüdischen Staate Alle, auch Nichtisraeliten, gleiche Rechte genossen und in jeder Beziehung gleichgestellt waren. Er hat das „Mittelchen" nicht verschmäht, die mosaischen Worte: „Ein Recht für Euch," in „ein Recht für Alle" zu verändern und in die Welt zu schreien, daß im jüdischen Staate Gleichheit herrschte, obgleich nach dem mosaischen Gesetze selbst der unter den Juden wohnende, sogenannte Proselyt des Tho-' res, in mancher Beziehung zürückgefetzt war. Nun leben aber zufällig in Amerika auch Reformjuden und diese beweisen aus der Bibel ganz etwas Anderes, nämlich, daß die Sklaverei in derselben sanctionirt sei. In Nr. 7 der Jud.-Ztg. 1861 findet sich eine Mittheilung/ daß der Senator Benjamin, ein Jude, im Congreß zu Washington, als eifriger Vertreter der Sklavenpeitscherei wirkt, und in Nr. 11, S. 152 heißt es in einer Correspondenz aus Frankfurt: „es wurde in diesen Blättern schon beklagt, daß der Senator Benjamin, ein in Birginien geborener Jude, die Sklaverei im amerikanischen Senate entschuldigt habe. Nun aber hat gar ein jüdischer Geistlicher, ein Dr. Raphael gewagt, am 4.Jan. „auf voraufgegängene Bestellung" eine Rede zu halten, und im „Herald" zu veröffentlichen, worin das Sklaveninstitut als ein von der Bibel sanetionirtes mit der allergrößten Entschiedenheit dargestellt wird." Freilich sollen nach ferneren Mittheilungen sowohl in Deutschland als in Nordamerika einige Juden gegen jene jüdischen Sklavenhelden aufgetreten sein und in Schriften sie angegriffen haben; was sich natürlich auch erwarten ließ, indem „in der Bibel die Sklaverei sanctionirt" ein klein wenig anders klingt, als „Ein Recht für Alle in der Bibel." Aber es fragt sich nur, was diese Herren gethan und geschrieben hätten, wenn sie in den südlichen Sklavenstaaten Amerikas gelebt hätten, ob sie nicht auch