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Dibre Emeth · 1862-01-01 · 1-2 (1862) · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
18 (1862)
Issue
1-2 (1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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39 Past. Harms Antwort finden fich aber noch einige Punkte, welche nicht minder, als die vorhergehenden eine Berichtigung erfordern, welche wir, so der HErr will, künftig werden folgen lassen. Ein jüdischer Besuch in Schiras. Schiras ist das vielbesungene Paradies von Perfien. Hier breitet sich der ewig heitre tief blaue Himmel über einen duftenden Rosengarten. Hier duften die Lüfte balsamisch, hier ist ein ewiger Frühling, hier athmet man reine, erfrischende, heilsame Luft. Hier wachsen die schönsten Blumen, Obst, Melonen, Pfirsich, Birnen, Nektarinen, Kirschen, Granaten in vorzüglicher Fülle, hier gedeihen Cyprcsse und Platane zu den herrlichsten Gestalten, hier sollen auch die schönsten Menschengestalten zu finden sein. Einst war Schiras die Prachtstadt der persischen Kalifen, hatte 60 Moscheen, 40 Medreffen, 70 Bäder und eine Unzahl von Thoren und Palästen. Jetzt ist es in Verfall; noch immer reizend gelegen, aber von sehr geringem Umfang; die langen Bürgerkriege haben es gänzlich heruntergebracht. In den Zeiten des Glanzes lebten 10,000 Juden in Schiras. Noch vor etwa 20 Jahren belief sich ihre Zahl auf 3000. Aber durch Bedrückungen und Verfolgungen der gehäsfigsten Art wurden 2500 gezwungen, zum Muhamedänismus überzutreten. Eine große Anzahl dieser Familien bewahren jedoch noch immer den Glauben ihrer Väter im Herzen, wenn sie auch äußerlich abgefallen sind, und ziehen heimlich ihre Kinder als Juden auf. Neun Synagogen, welche fich in der Stadt befinden, zeugen von der ehemaligen Größe der jüdischen Gemeinde. Jetzt find ste leider fast alle verödet. Ein jüdischer Rabbi, dem wir schon öfter auf seinen Wanderungen im Orient begegnet find, besuchte Schiras vor wenigen Jahren. Bei meiner Ankunft, erzählt er, fand ich die Stadt in Aufruhr und Gährung. Man schlug sich in den Straßen und erst gegen Abend legte fich der Tumult. Der Vicekonsul, der mich bei fich ausgenommen hatte, ließ mich unter sicherem Geleite zu dem Nässt (Obersten der Juden) Mulah Israel, führen. Dieser, ein ehrwürdiger Greis, nahm mich mit dem lebhaftesten Wohlwollen auf und nach morgenländischer Sitte wurde mir im Hause seines Sohnes Isaak ein gastfreundliches Obdach gewährt. Meine Anwesenheit war sofort unter den Glaubensgenossen bekannt geworden, und die Angesehensten statteten mir sofort einen Besuch ab. Von Morgen bis zum Abend wurde ich in Anspruch genommen, mein Rath und Beistand in verschiedenen Dingen erbeten und meine Aussprüche wie Orakel betrachtet. Eines Tages füllte fich mein Zimmer nach und nach mit einer Anzahl weiß verschleierter Frauen. Da die jüdischen Frauen dort nur schwarze Schleier tragen dürfen, so beunruhigte mich dieser Besuch. Man sagte mir aber, daß diese Familien angehörten, welche gezwungen den Islam bekennen, im Geheimen aber dem Glauben ihrer Väter anhängen.

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