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Dibre Emeth · 1862-01-01 · 1-2 (1862) · page 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
18 (1862)
Issue
1-2 (1862)
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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_40 _ Ich richtete einige Worte über ihren Abfall vom Glauben an sie, worauf die Frauen heftig weinten. Einer der anwesenden Männer aber trat hervor und sprach: „Unsre Brüder wissen, durch welche schrecklichen Umstände wir-gezwungen wurden, wir mußten uns vor der Tyrannei und dem Tode retten. Wir bekennen aber, daß wir trotz unserer scheinbaren Abtrünnigkeit mit ganzem Herzen an dem Glauben unsrer Väter hängen und bekunden dies durch unfern Besuch bei Dir. Würde dieser Besuch verrathen, wir wären sicher verloren." Diese Worte rührten mich tief, ich tröstete sie und sprach: „Habet Geduld, meine Brüder, und harret aus in der Zuversicht zu Gott. Vielleicht werden Europa's Monarchen, unter deren Schutze unsre Brüder glücklich leben, durch ihre Vermittlung auch euer Unglück lindern und edle Herrscher auf Persiens Thron setzen, welche eure Ketten lösen, und euch gestatten, frei und öffentlich euren Glauben zu bekennen. Welcher Art die Leiden der dortigen Juden sind, erhellt aus folgender Geschichte. Einige Monate vor meiner Ankunft hatte sich der Nässt Mulah Eliahu den Groll des Imam zugezogen und war ins Gefängniß geworfen worden. Der Imam forderte ein so ungeheures Lösegeld für seine Befreiung, daß die Gemeinde es nicht bezahlen konnte. Es gab keine andere Möglichkeit frei zu werden, als zum Islam überzutreten. In einer schwachen Stunde hatte der Gefangene sich dazu bereit erklärt, aber bei ruhigem Besinnen nahm er sein Won zurück. Er erklärte dem Imam, daß er es in seinem Alter nicht über sich gewinnen könne, den Glauben abzuschwören, den er sein ganzes Leben hindurch bekannt hätte. Ohne weiteres ließ ihm der 3mam 500 Streiche auf die Fußsohlen geben und ihn dann in einen feuchten Kerker werfen. Vier Tage nach einander wurde dies wiederholt, so daß der Unglückliche 2000 Streiche auf die Fußsohlen bekam. Ohne Bewegung, mit dem Gesicht zur Erde gewandt und einer Leiche ähnlich, lag er im Kerker. Sicher wäre er unter den Martern umgekommen, wenn die Vorsehung ihn nicht gerettet hätte. Es brach nämlich während der Zeit eine Empörung aus, bei welcher Gelegenheit die Rebellen alle Kerker erbrachen und alle Gefangenen befreiten. Der arme Gemißhandelte ließ sich nach Bagdad bringen, wo ich ihn später kennen lernte. Sein Vermögen hatte indeß der Imam an sich geriffen. (Missionsblatt des Rheinisch - Westpfählischen Vereins für Israel.) Dies Blatt erscheint jährlich in 8 bis 10 Heftchen, zusammen 12—14 Bogen. preis fiir de» Jahrgang 10 Sqv. In Commission: Carl Dülfer's Buchhandlung in Breslau. Druck von C. H. Storch und Comp, in Breslau.

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