Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 18 (1862)
- Issue
- 1-2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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m wiß für einen jeden Pastor, besonders aber für einen solchen, der in der christlichen Mission so thätig ist, besser geziemt, und jedenfalls hätteP. H. besser gethan, wenn er, da es ihm an Zeit mangelte, auf die Briefe zu antworten, mit seinem Urtheile noch gewartet hätte, als ein solches ungerechtfertigtes abzugeben, mit dem er vielen Seelen Anstoß gegeben hat«. Aber thun wir ihm nicht Unrecht mit diesen Worten? Er stützt und beruft sich ja bei aller Kürze doch auf einen Ausspruch der Schrift, und gerade auf die Hauptstelle, die von diesem Gegenstände handelt, nämlich auf Röm. 11? Aber eben diese Anführung und Erklärung eines Verses in diesem großen und gewaltigen Kapitel, das noch kein Gegner der Judenmission, er sei wer er wolle, zu irgend einem andern Zweck und Vorhaben hat-deuten können, liefert leider den klaren Beweis, wie leichten, und wir müssen sagen, leichtfertigen Kaufs, man über die Sache hinweggeht und sich dann die Miene giebt, eine gründliche und geistreiche Eregese zu Tage gefördert zu haben. Der Streit dreht sich, wie wir dies auch in diesen Blättern schon gesehen haben, meist um die Worte Röm. 11, 85. 88: „Blindheit ist Israel eines Theils widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden eingegangen sei, und also das ganze. Israel selig werde". Ueber das Eingehen der Fülle der Heiden sind viele und mancherlei Erklärungen gegeben worden. Nach Pastor Harms Meinung sollen diese Worte des Apostels bedeuten: „bis alle Heiden sich zum Christenthum bekehrt haben." Sagen kann man freilich Alles; aber mit einem solchen: „d. h. alle Heiden" ist nur nichts bewiesen, sondern bloö Etwas behauptet. Wir möchten einfach fragen, ob Stellen angeführt werden können, in denen das griechische Work Pläroma d. i. die Fülle, so viel ist und bedeutet, wie das Ganze? Der Ausdruck kommt Gal. 4, 4 vor, wo Luther übersetzt hak: „da aber die Zeit erfüllet war." Hier ist offenbar „die Fülle der Zeit" nicht so viel, wie die ganze Zeit, so daß bei der Erscheinung Jesu Christi die ganze Zeit abgelaufen gewesen wäre und das Ende der Welt gekommen sei;, sondern die Fülle der Zeit ist die von Gott bestimmte Zeit. — Doch wir gehen zu dem andern Satze des Apostels, welcher die Hauptsache für unfern Zweck ausmacht, nämlich zu den Worten: „und also daS ganze Israel selige werde." 8* .