Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 11-12 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 gegen die Kinder deines Volks. Die Rachegebete haben andre Völker außer Israel im Auge, die Beweisstelle spricht aber nicht von andern Völkern, sondern nur von „den Kindern deines Volks," d. h. von Israel. Der Herausgeber des Volksblattes ist auch der Herausgeber der allgem. Ztg. deS Judenthums, und da wissen Sie ja, daß derselbe unzählige Male die grundfalsche Behauptung selbst mit Verfälschung eines hebräischen Wortes in die Welt geschrieben hat: „Ein Gesetz für Alle"; so meint er denn auch hier den Leuten weiß zu machen, was von oder für Israel gilt und gesagt wird, gelte auch in Bezug auf alle Menschen. Aber das Wort Gottes läßt sich nun doch nicht ändern. Daß selbst unter Israel nicht „jeder Akt der Rache" verboten und verworfen war, geht schon klar und deutlich aus dem Umstande hervor, daß wenn Jemand unversehens und ohne. Absicht von einem Andern getödtet worden war, der Blutsfreund des Erschlagenen den'Todschläger verfolgen und Rache an ihm ausüben konnte. Wie steht es aber mit der Rache gegen Andersgläubige? Warum bringt der Verfasser keinen Beweis dafür, daß die Rache gegen Fremde verworfen werde? Wie will er denn mit seiner so feck hingestellten Behauptung, daß die jüdische Religion jeden Akt der Rache verwerfe, vereinigen, daß es z. B. 5. Mos. 23, 3 heißt: Die Ammoniter und Moabiter sollen nicht in He Gemeine des Herrn kommen, auch nach dem zehnten Gliede; sondern sie sollen nimmermehr hineinkommen? Was will er denn mit der Erzählung in Esther 9 und 10 machen, wo eine höchst blutige Rache berichtet wird? Ob der Rabbinismus, der seit der Zerstörung Jerusalems bis in die neueste Zeit die einzige Basis der jüdischen Religion war, „jeden Akt der Rache verwirft"., diese Beantwortung wollen wir dem Verfasser selbst überlassen, ihn aber, abgesehen von allen Erzählungen, nach welchen die Rabbiner mit ziemlicher Rachsucht gegen einander auftreten, nur an einen Ausspruch des Talmuds erinnern: „Jeder Schüler des Weisen, der nicht rachsüchtig ist und Zorn hält, ist nicht würdig ein Weiser genannt zu werden." So falsch nun auch die gleißnerische Behauptung des Volksblattes ist, so wollen wir doch andererseits uns freuen, daß man endlich einsieht, wie ungeziemend es ist, solche Rachegebete