Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 11-12 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Nr. 16 bringt 'S. 64 einen kurzen Artikel, der einen sehr freundlichen und liebevollen Geist zu athmen scheint, dessen Mangel ich eben beklagte. Denn unter der Ueberschrift: „Abschaffung der Rachegebete" lesen wir Folgendes: „Unsre Leser wissen, daß diese Blätter zu keiner Polemik bestimmt sind, sich auch m keine theologischen und Reformsragen einlaffen. Nicht als ob nicht auch wir die Wichtigkeit und Nothwendigkeit derselben einsähen; aber Zweck und Ziel des „„Jüdischen Volksblattcs"" sind andere. Dennoch wollen wir hier darauf aufmerksam machen, daß es Zeit sei, aus unfern Gebetbüchern die, allerdings nur wenigen Phrasen und Gebetstücke zu entfernen, welche aus der Zeit der fürchterlichsten Verfolgungen und zahlreichen Märtyrertode stammend, Bitte um Rache aussprechen. Wir brauchen es hier nicht aus einander zu-setzen, daß unsre Religion überhaupt jeden Akt der Rache verwirft (3. Mos. 19, 18), und die Bestrafung der Frevelthaten Gott anheimstellr (5. Mos. 32, 35); noch weniger lehrt sie, daß an den schuldlosen Enkeln Derer, welche unschuldiges Blut vergossen haben, diese Mtssethaten persönlich gerächt werden sollen (Jechesk. 18, 20); am wenigsten aber kann zugegeben werden, daß in unserer Zeit, wo die gleiche und gerechte Behandlung aller Glaubensparteien sich immer mehr befestigt, Humanität und Toleranz von Tag zu Tage größere Siege feiern, in unfern Gotteshäusern die Bitte zu Gott ausgesprochen werden soll: Gott möge diese späte Strafe und Vergeltung früherer Geschlechter jetzt nachholen! In der That können wir dreist behaupten, daß kein Jude bei Recitirung dieser Phrasen sich wirklich etwas denkt oder den Wunsch hegt, den er mit seinen Lippen, der alten Gewohnheit gemäß, ausspricht. Dem Beispiele vieler Gemeinden zu folgen, welche derartige Gebetworte längst gestrichen haben, fordern wir daher alle Gemeinden auf. Am Neujahrs- und Versöhnungsfeste, wo wir die Gnade und Verzeihung Gottes erflehen, paßt es sich sicherlich nicht in dem mit Recht so hoch gehaltenen Gebete »a^D was zu beten: (* '-patvn -pay on niaps uwy1? oipj 'a ’xu l) d. h. unser Vater, unser König, räche vor unfern Augen die Rache des vergossenen Blutes deiner Knechte. Der Referent.