Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 9-10 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554709-2554715--03574-2559477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 Die Zeit erlaubt es mir nicht, euch durch alle Distrikte und Provinzen zu führen, die ich besuchte, aber das kann ich in Wahrheit sagen, daß meine Misstonsreise durch Abyssinien, ungeachtet der Mühen und Schwierigkeiten, die wir zu bestehen hatten — unerachtet der vielen Gefahren und Prüfungen, denen wir fortwährend ausgesetzt waren — unerachtet, daß wir oft in solche Umstände geriethen, welche das Mitleid und die Sympathie eines Aufsehers in euren Arbeitshäusern oder Inspektors eines eurer Zuchthäuser erweckt haben würden — so weit waren wir, was unsere äußere Erscheinung betrifft, herunter gekommen — auö den angegebenen Gründen doch eine Reise von ununterbrochener Lust und Freude war. Oft besuchten wir drei bis vier Niederlassungen an einem Tage, und überall verließen die in der Hütte beschäftigte Frau und der auf dem Felde arbeitende Landmann den Pflug und den Mühlstein, um die weißen Sendboten vom Kreuze reden zu hören. Einige folgten uns tagelang über Berg und Thal, durch tiefe Schluchten und über Felsklüfie, und wenn wir fragten, warum sie uns folgten, so war stets ihre Antwort: „Wir wünschen mehr von dem Erlöser Israels zu hören, den Sie verkündigen." Das Verlangen nach dem Besitze des geschriebenen Wortes war ganz gleich dem Verlangen, das gepredigte Wort zu hören. Ich erwähne einige Beispiele, wo Männer von Quara und Simien, den niedrigst und höchst gelegenen Theilen Abyssiniens gekommen waren, um ein Eremplar des Wortes Gottes für ihre Gemeinden zu erhalten, und da uns in vielen Fällen der geringe Vorrath, den wir bei uns hatten, nicht erlaubte, das Verlangen eines Jeden zu stillen, so lagerten sich alle Männer, deren harte Gesichter nie von einer Thräne benetzt worden waren, betrübt und traurig vor unser Zelt und weinten und schluchzten, als ob ihre Herzen brechen wollten. Ein Mann, der aus einer Entfernung von mehreren Tagereisen nach Gondar gekommen war, fand bei seiner Ankunft, daß wir abgereist waren. Nichts erschreckte ihn, er ergriff seinen Stab und folgte uns zwei Tagereisen weiter bis nach Chamara, und als er uns daselbst fand, sagte er ganz unbefangen: „Der Gott Israels sandte Moses, uns zu lehren und uns sein Wort zu geben; und da Sie nun in die Fußtapfen MoseS treten, so bin