Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 9-10 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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unreinen Volke und seinen heiligen Priestern lassend. Die abgesonderte Menge starrte uns, in vollständiger Verwirrung und Verwunderung, mit einem finstern, ernsten und unbeweglichen Blicke an, als ob sie unsere Gedanken durchdringen und in unfern Blicken ihre Hoffnung oder Verzweiflung, Freude oder Sorge lesen wollten. Da saß der alle Mönch abgezehrt und bleich, mit brauner, in losen Falten um seine zerstörten Gesichtszüge hängenden Haut und mit Augen verloschen und glanzlos durch lange Kasteiung, oder hell und blitzend von dem wilden Feuer deö Fanatismus. Nahe bei dieser gespensterartigen Erscheinung lag der junge Novize, als ob Hoffnung und Trost bei dem gereiften Alter und hinstnkenden Leben suchend, in dessen sanftem und unnatürlich glatten Gesichte die Kämpfe peinlichen Aberglaubens und vielleicht des schrecklichen Bewußtseins, daß das Leben mit seinen Anziehungskräften und Banden für einen verworrenen Traum und eine wilde fieberhafte Änbildungßkraft hingegeben sei, zu deutlich zu erkennen waren. Die andere Gruppe, unter welchen wir mehrere Frauen bemerkten, bot mit ihren gesunden Blikken und ihrem lächelnden Ausdrucke einen fremdartigen Kontrast zu den verkümmerten, unruhig und unglücklich aussehende» Priestern. Es ist wahr, daß kaum einer in der Versammlung war, der irgendwie gezweifelt hätte, daß diese Priester sich selbst verleugnende und gute Männer seien, weiche der Welt mit all ihren Bezauberungen für ein Leben der Andacht und Frömmigkeit entsagt hatten, und doch schien, gleichsam aus allgemeiner Sympathie, bei einigen geheimer Verdacht und eine verborgene Furcht vorhanden zu sein, daß diese stolzen und abgesonderten Einsiedler nach Allem im Zrrthum sich befinden und anstatt nach dem Wesen nach einem Schatten greifen, und anstatt an der geoffenbarten Wahrheit an einem bloßen selbst gemachten Fantom hangen möchten. Nur um nicht gegen die abyssinische Etiquette zu verstoßen, daß nämlich ein Fremder ein Oberhaupt oder einen Edlen mit einem Geschenke beehrt, gab ich dem Abu Mahari eine Bibel mit Goldschnitt, welche er, da er sie nicht aus meinen unreinen Händen annehmen konnte, in einem Beutel von einem der Priester empfing. Er war außerordentlich erfreut über dies Zeichen meiner Achtung, und nach mancherlei sorgfältigen Dankbezeigungen