Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 9-10 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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150 sammlungen waren im Allgemeinen so würdevoll, feierlich und eindringlich, daß ich euch versichern kann, daß ich, wenn ich nur irgendwo mit Erfolg eine solche Zuhörerschaft erlangen könnte, den schattigen Wald over das grüne Feld als einen Ort zur Predigt dem schönsten Saale oder der stattlichsten Kathedrale vorziehen würde. Es liegt etwas Angenehmes und Ermunterndes in einem Vortrage im Freien oder an Orten, wo man von so viel Wundern der Schöpfung umgeben ist — von der murmelnden Quelle, den von der Sonne gefärbten Gebüschen, dem ehrwürdig durchfurchten und wilden Felsen, dastehend gleich der ewigen Wahrheit des Wortes Gottes, und das Alles sich vereinigend, da'S Gemüth mit Entzücken und das Herz mit Anbetung und Dank zu erfüllen. Ich fühlte das oft in Abyssinien, wenn ich auf der schwindlichen Höhe eines Felsen oder auf der aromatischen Flur eines tiefen Thales stand, umgeben von Hunderten von unsterblichen Wesen, welche mit athemloser Aufmerksamkeit an meinen Lippen hingen, als ob jedes Wort das Urtheil über Leben und Tod enthielte — dann fühlte ich in der Thal meine stammelnde und fremde Zunge gelöst, und von den Gaben, welche über die materielle Welt ausgegossen sind, fand ich mich unbemerkt hinübergezogen auf die Liebe und Güte, welche von dem Schöpfer der vernünftigen Welt verliehen worden, und dabei verweilend, bis fast jedes Auge von Thränen glänzte und jede Lippe sich im stillen Gebete bewegte. In einem Dorfe südöstlich von Gondar, wo wir einige Zeit über die Menschheit, die Leiden und den Tod unsers Herrn gesprochen hatten, damit die Sünde vernichtet und die Schuld des Sünders gebüßt werde, wurde eine alte Frau so ergriffen, daß sie sich plötzlich an die Brust schlug und mit Thränen, welche über ihre bleichen Wangen herabströmten, wiederholentlich in Gegenwart aller ausrief: „O, wie groß ist unsere Schuld, daß wir eine so göttliche Liebe verwerfen und so kostbares Blut verachten!" Ich machte ihnen bekannt, daß Herr Bronkhorst wahrscheinlich in ihrem Lande bleiben und sich ihrem geistlichen Wohle hingeben würde. Dies erfreute sie so, daß bei unserm Abschiede ihre Segenswünsche von manch einem Felsen und manch überragender Klippe bis zu einer beträcht-