Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 9-10 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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148 ES ist wahr, diese, große Versammlung ist ein Beweis, daß ihr die nicht ganz vergessen habt, über welche der mitleivige Heiland weinte, und mit deren Bekehrung das Gedeihen der Kirche so innig verbunden ist. Aber indem ich freudig die Schuld der Dankbarkeit von Seiten der Juden gegen diese Gesellschaft anerkenne, muß ich auch bekennen, daß die bisher gemachten Anstrengungen nicht den Anforderungen des Arbeitsfeldes, oder dem Erfolge, womit die Vorsehung unser Werk gesegnet hat, angemessen sind. Nicht ganz vor einem Monate kehrte ich aus Abyssinien zurück, einem Lande, in welchem wenigstens 250,000 Juden wohnen, deren Bekehrung, wie ich glaube, sich als großer Segen für Mittelafrika bewähren würde; und doch, ungeachtet des hoffnungsvollen Anblickes des Feldes, und der freudigen Aussichten, die es darbietet, mußte bis innerhalb der zwei letzten Jahre der Jude in diesem finstern Lande in Angst seines ihn anklagcnden und unruhigen Gewissens ausrufen: „Da ist Niemand, der für meine Seele sorge." Viele waren der Schwierigkeiten, die sich uns auf dem Wege entgegen stellten; wir mußten große und schreckliche Wüsten, ausdünstende und ungesunde Sümpfe und dicke, undurchdringliche Gebüsche durchwandern, und wir drangen doch vorwärts ungeachtet dieser Hindernisse, welche unsere Gesundheit angriffen und unsere Kraft untergruben, und erreichten wohlbehalten das Land, nach welchem wir unsere wandernden Schritte gerichtet hatten. Hier glaubten wir, daß die Schwierigkeiten zu Ende und die Hindernisse beseitigt sein würden, und daß wir ohne Einspruch oder Hinderniß würden von Ort zu Ort gehen und die unerforschlichen Reichthümer des Evangeliums verkünden können; aber wir wurden in unfern Hoffnungen und Erwartungen aufs Schmerzlichste getäuscht. Wir entdeckten bald, daß religiöse Duldung noch nicht in Abvsstnien Eingang gefunden hat, und wie günstig sich der König auch gegen uns persönlich zeigte, so wollte er doch, ohne vorhergängige Zustimmung deö Abuna oder Metropolitan, nicht feine Einwilligung zu unserer Mission geben. Aber trotz dieser ungünstigen Umstände verzweifelten wir nicht, noch verloren wir unser Vertrauen; wir sahen, daß hier ein großes Werk zu vollbringen und ein großer Sieg zu erringen war, und ohne uns zu beunruhigen, wie es uns