Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1861-01-01 · 9-10 (1861) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
17 (1861)
Issue
9-10 (1861)
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2554541-2554709-2554715--03552-2559455
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

132 Idee, da menschliche Mittel nicht mehr vermochten, die neuen Christen zu unterdrücken, dieselben der Rache deS Himmels zu empfehlen, fie öffentlich zu verfluchen und zu verwünschen. In feierlicher Versammlung — so erzählt der Talmuds — begann Gamaliel an die Weisen (wenn) die Frage zu richten, ob wohl Jemand unter ihnen sich befinde, der im Stande sei, ein Verwünschungsgebet gegen die sich so rasch ausbreitende Sekte Jesu des Nazareners abzufaffen?2) Da stieg Samuel (— 1. Sam. 1, 28) der Kleine (navlos) zum Betpult hinabs) und verfaßte es. Dieses, in dem vermeintlichen Drange der damaligen Umstände abgefaßte Verwünschungsgebet nimmt noch bis jetzt in allen jüdi- Banne belegt. Diese Bulle wurde jährlich am grünen Donnerstag öffentlich in Rom vor der Peterskirche in Gegenwart des Papstes und der Kardinale dem Volke laut vorgelesen. In ihrer ersten Gestalt erschien ste zu Ende des C ostnitzer Concils durch Martin V., welcher darin alle Heiden, Griechen, Juden, Ketzer, Schismatiker u. s. w. ercommunicirte. Doch wurde fie von den solgenden Päpsten häufig umgearbeitet, von Urban V., Julius II., Paul III., welcher fie 1536 publicirte und auch schon die Lutherischen beizählte, und Gregor XIII., Pius V. und besonders von Urban VIII. Für Frankreich wurde fie auf der Kirchenversammlung zu Tours 1610 für ungültig erklärt. In vielen Ländern hat fie viel Unheil gestiftet, weshalb fie auch Kaiser JosePh.il. aus allen Ritualen seines Reiches streichen ließ. Der Anfang dieser Bulle lautet: „Wir bannen und verfiuchen im Namen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes u. s. w. und kraft des heiligen Petrus und Paulus und unserer eigenen Gewalt die Husfiten, Wiklestten, Lutheraner, Zwinglianer, Calvinisten, Hugenotten, Anabaptisten, Trinitarier und vom christlichen Glauben Abgefallenen und alle anderen Ketzer, wie fie Namen haben, und von welcher Sekte fie sein mögen, so wie diejenigen, die ihnen glauben, fie aufnehmen und begünstigen und überhaupt fie beschützen, so wie alle Bücher derselben, die fie ohne Genehmigung des heiligen Stuhls lesen oder befitzen, drucken ». s. w., so wie Alle, die fich dem Gehorsam des Papstes entziehen." — Wenn der Vorleser, welches immer der jüngste Kardinal ist, geendet hat, so wirst er eine brennende Kerze unter das Volk auf die Straße, um damit den Blitzstrahl der Ercommunicatiou anzudeuten. *) Tractat Berachot fol. 28, d. *) In den 1646, noch ohne christliche Cenfur gedruckten Talmudausgaben findet fich in Raschi's Comm. zu den Worten „Gamaliel begann zu den Weisen": nahe um die Zeit der Verbreitung der Anhänger Jesu, des Nazareners. *) Die Stelle, auf der der Vorbeter steht, ist tiefer denn der andere Boden der jüdischen Bethäuser, weil es heißt Ps. 130: 7»n* *np D'poyeo, De profan dis clamavi ad te, Domine, daher ist die gewöhnliche Leseart toy falsch md wie es in den alten Editionen heißt tv, hinabsteigen, zu lesen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.