Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 7-8 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 das gesunde exegetische Gefühl sofort als der heiligen Schrift fremd« artig erkennt. So z. B. bei Jes. C. 2, wo nach der buchstäblichen Auslegung der Berg Zion auf die höchsten Berge der Erde gethürmt wird, bei Sach. 1-4, 10, wonach alle Berge Judäas, die von Jerusalem ausgenommen, in Ebenen verwandelt werden sollen." Wir haben bereits im Obigen unsere Meinung über buchstäbliche und' spiritualisirende Auffassung ausgesprochen. Wer hat denn aber gesagt, daß alle Stellen der h. Schrift ohne alle und jede Ausnahme buchstäblich zu nehmen und zu verstehen seien? H. behauptet, wie wir oben angeführt haben, daß „im A. und N. Test, der höhere geistliche Begriff durchgängig herrsche," und dies „constante Lehre" sei. Wir werden wahrlich, wenn dieser Grundsatz durchgeführt werden soll, auf Abentheuerlichkeiten gerathen, die viel ungeheurer find als H. den Buchstäblern Nachweisen kann. Wird aber Herr Prof. H. wohl trotz seines „durchgängigen" und „constanten" Spiritualisirens den Muth haben zu sagen, keine einzige Stelle sei buchstäblich zu erklären? Wir sagen nur, man muß so lange und so weit bei der buchstäblichen Auffassung und dem wörtlichen Verständniß der Schrift bleiben, als man nicht auf wirkliche Abentheuerlichkeiten geräth. Sind aber die künftige Bekehrung und Wiederherstellung Israels Abentheuerlichkeiten? Wir werden aber auch wohl, wir mögen buchstäbeln oder spiritualistren, immer noch manche Dinge in der Bibel stehen lassen müssen, die nach unserm vernünftelnden Dafürhalten als „Abentheuerlichkeiten" erscheinen. Klingt es nicht sehr abentheuerlich, wenn uns in der Bibel erzählt wird, ganz Israel sei trockenen Fußes durch das rothe Meer, durch den Jordan gegangen, die Mauern Jerichos seien beim Blasen und Schreien der Israeliten eingefallen, oder die Sonne habe stille gestanden, oder Bileams Esel habe geredet u. s. w. u. s. w. Und in der That, nicht nur Ungläubige habe» in diesen und vielen andern biblischen Erzählungen Abentheuerlichkeitcn gefunden, sondern Herr Prof. H. hat in seiner Kirchenzeitung vor vielen Jahren schon das Wunder deS Stillestehens der Sonne für eine „poetische uneigentliche Schilderung" erklärt. Nr. 88. Jahrgang 1832. Hengstenberg's tausendjähriges Reich, das mit dem Jahre 800 seinen Anfang nahm und mit dem