Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 7-8 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 ihrer Gesetze, hatte Israel gleich von vornherein mit einem Male ein vollendetes Gesetz, von welchem, wie Moses bezeugt, die andern Völker anerkennend rühmen mußten: „Wo ist so ein herrliches Volk, das so gerechte Sitten und Gebote habe, als alles dies Gesetz, das ich euch heutiges TageS vorlege?" 5. Mos. 4, 8. Kleiner an Zahl als andere Völker, mit denen Israel in Berührung kam, war es ihnen doch überlegen, so lange es an dem Herrn seinem Gott hielt und seine Zuversicht auf ihn setzte. Und wenn im Gehorsam gegen das Gebot des Herrn die Stämme Israels alljährlich mehrere Male nach Jerusalem pilgerten um die Gottesdienste und Feste daselbst zu feiern, so hatten sie doch keine feindlichen Einfälle zu fürchten, denn der Herr Zebaoth war ihr und ihres Landes Schutz und Schirm. Wenn der Herr die Stabt behütet, so ist sie behütet. — Aber von dieser Höhe ist Israel herunter gestoßen in die schauerlichste Tiefe. Seit 1800 Jahren ist Israel weggefegt aus seinem Lande. Einst ein schöner Weinberg Gottes unter seiner treuen und sorgfältigen Pflege ist derselbe greulich verwüstet, wie schon der Herr durch den Propheten Jes. 5 gedrohet hatte: „Seine Wand soll weggenommen werden, daß er verwüstet werde, und sein Zaun soll zerrissen werden, daß er zertreten werde. Ich will ihn wüste liegen lassen, daß er nicht geschnitten noch gehacket werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, daß sie nicht darauf regnen." Die Klage des Psalmisten 80, 13.14: „Warum hast du denn seinen Zaun zerbrochen, daß ihn zerreißet alles, das vorüber gehet? Es haben ihn zerwühlet die wilden Säue und die wilden Thiere haben ihn verderbet" — gilt noch heute. Israel einst ein schöner, grüner, fruchtbarer Oelbaum, aber jetzt! Der Herr hat mit einem großen Mordgeschrei ein Feuer um denselben angezündet, seine Beste abgebrochen, daß sie verderben. Jer. 11, 16. Einst das vom Herrn hoch bevorzugte und begnadigte Volk, unter dem der Herr sein Feuer und seinen Heerd hatte, hat ihm derselbe Herr jetzt den Namen gegeben und das Siegel aufgedrückt: Lo Ryhamo und Lo Ammi, d. i. nicht begnadigt, nicht mein Volk. Hos. 1. Dies Moment, Volk Gotteö, ist also jetzt nicht bei ihnen vorhanden, sondern nur das der fleischlichen Abstammung. In wie vielen Klageliedern haben die Nach-