Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 17 (1861)
- Issue
- 3-4 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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59 die auf mich warteten, um in den Besitz der heiligen Schrift zu gelangen, unerachtet des Abkommens am vorigen Tage. Als ich die Thüre ausschloß, drangen sie mit geräuschvoller Schnelligkeit hinein, und ich hatte Mühe, Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Jtakh befahl Jedem, der eine Bibel, oder einen Pentateuch, oder ein Neues Testament, oder ein anderes Buch für Geld oder umsonst erhielt, sich niederzusetzen. Als Alles in Ordnung war, belehrte ich meine unbekehrten Brüder über den Inhalt dieser Bücher und über den Zweck der englischen Christen, welche sie mit denselben versehen, und ermahnte sie, den zu suchen, welcher das Ende des Gesetzes ist, und welcher von den Propheten vorher verkündigt wurde. Das Judenviertel. Den 6. Ich stattete dem Rabbiner den versprochenen Besuch ab. Im Herzen des Judenviertels angelangt, befand ich mich inmitten der schauerlichsten Straßen, geeigneter für die Schlupfwinkel und das Herumschweifen wilder Thiere und Vögel, als für die beständigen Wohnungen menschlicher Wesen. Ich sah daselbst enge und unregelmäßige Straßen mit dem schmutzigsten Unrath bis an die Dächer angefüllt, halb gekleidete Kinder mit Fliegen bedeckt, die herumsprangen und spielten, unreife Jünglinge, die mit einander fochten, grauköpfige Männer mit langen, ungekämmten, schmutzigen Bärten in unanständiger Stellung, die ihre Zeit mit dem „Seldja", einem kindischen Spiele verbrachten, während — es war Freitag — daS Geschrei und Gezänke von innen und der Lärm der handelnden Männer von außen die Luft wiederhallend machte. An der Ecke der Straße und in den Höfen schwitzten drei oder vier Juden unter ihrer Gold- und Silberarbeit mit den Kartenmaschienen, und zwei oder drei Mal so viel lagen auf der Erde schwatzend, schlafend, ihre Burnusse untersuchend oder nichts thuend. Dann und wann wurde meine Hand von unbekannten Personen unwiderstehlich ergriffen und geküßt, welche, irgend einen Segen sprechend, wie „Friede sei mit dir", „Glückliches Leben und Gottes Gnade sei deine Begleiterin" k. mich baten, sie in ihren Häusern zu besuchen und einen Segen zu sprechen, d. i. an einer Erfrischung Theil zu nehmen, über welche